Lkw-Maut ändert sich in vielen europäischen Ländern
29.01.2018 | Oliver Jesgulke

Neuerungen bei der Lkw-Maut in Europa

Ab 1. Juli 2018 wird die Lkw-Maut für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen auf alle Bundesstraßen ausgeweitet. Auch in anderen EU-Ländern gibt es in diesem Jahr Änderungen bei der Lkw-Maut. Eine Übersicht zu den wichtigsten Anpassungen.

Mautpflichtiges Straßennetz in Belgien wächst

In Belgien müssen seit dem 1. April 2016 Lkw mit einem maximal zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen Maut zahlen. Nun gelten im Nachbarland seit dem Jahreswechsel gleich mehrere Änderungen. In ganz Belgien müssen ab diesem Jahr auch Sattelzugmaschinen bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht der Klasse N1 die Lkw-Maut zahlen. Die Fahrzeuge verfügen in der Regel über eine Kabine und eine Kupplungsscheibe für Anhänger. Neu fällt überdies die Verordnung für Bußgelder aus. Wurden bei Mautverstößen bislang pauschal 1.000 Euro Verstoß erhoben, gilt ab sofort eine Staffelung: Je nach Art des Verstoßes werden künftig 100, 500, 800 oder 1.000 Euro fällig.

In Teilen Belgiens kommen auch neue mautpflichtige Strecken hinzu: In Flandern ist das Straßennetz um rund 160 Kilometer erweitert worden. Mit der Ausweitung reagiert die Region darauf, dass viele Brummifahrer auf Nebenstraßen ausweichen, um die Maut für die Autobahnen nicht bezahlen zu müssen. Dort und im Großraum Brüssel wird zudem seit dem 1. Januar erstmals bei der Gebührenerhebung zwischen Euro-5-Lkw und Euro-6-Lkw unterschieden. Unabhängig vom Gewicht steigt die Maut für Euro-5-Lkw jeweils um einen Cent. Für Trucks mit der Euro-6-Norm bleibt sie vorerst unverändert. In Wallonien ist das mautpflichtige Netz um vier Kilometer vergrößert worden. Hier wurde die Mautgebühr außerdem angehoben.

Teuerungen auf den Autobahnen Italiens

Italien als eines der wichtigsten Transitländer in Europa zieht seine Konsequenzen aus dem zunehmenden Lkw-Aufkommen. Dort sind seit dem 1. Januar landesweit Mauterhöhungen auf fast allen Autobahnen in Kraft getreten. Auf der A5 zwischen Aosta und dem Mont Blanc ist die Gebühr um über 50 Prozent teurer geworden. Ebenfalls beachtlich sind die Erhöhungen auf Teilbereichen der Autostrada 7, 24 und 25 um bis zu rund 14 Prozent. Die Maut für die Brennerautobahn hingegen steigt lediglich um 1,67 Prozent.

Fahrverbote in Österreich aufgehoben

Toll2Go lohnt sich vor allem für Fahrzeuge, die die Lkw-Maut in Österreich und in Deutschland entrichten müssen.

Ab dem Frühjahr werden in Österreich zahlreiche Sperrungen für Lkw wieder aufgehoben. Foto: panthermedia

In dem Alpenland ist die Lkw-Maut seit dem 1. Januar 2018 um ein Prozent gestiegen. Für Lkw mit der Euro-6-Norm gilt dagegen keine Preiserhöhung. Nutzfahrzeuge mit dieser Schadstoffklasse profitieren weiterhin von einer Ermäßigung, die noch bis zum Jahr 2020 gelten soll. 2018 wird auch eine wichtige Transitstrecke wieder freigegeben: Lkw-Fahrten mit bestimmten Gütern sind ab dem 1. April 2018 nicht mehr von dem Fahrverbot auf der Inntal-Autobahn A 12 betroffen. Auf einem Teilabschnitt zwischen Langkampfen und dem Gemeindegebiet Ampass waren unter anderem Transporte mit Abfällen, Steinen, Erden, Aushub, Rundholz und Kork untersagt. Dieses Verbot wird nun im Frühjahr aufgehoben. Ab 1. Juli dürfen zudem wieder Fahrten mit Nichteisen- und Eisenerzen, Stahl, Marmor, Travertin sowie keramischen Fliesen erfolgen.

Start für die Maut in Nordspanien

Zum 1. Januar 2018 wurde die Maut für Lkw über 3,5 Tonnen auf mehreren Strecken der Nationalstraße N1 und der Autobahn A 15 im nordspanischen Baskenland eingeführt. Die Straßen sind wichtige Routen für internationale Transporte und verbinden das spanische Straßennetz mit dem französischen Grenzgebiet. Die Abrechnung erfolgt automatisch über die On Board-Unit „Via-T-Box“ oder nach einmaliger Registrierung entweder manuell an den Mautterminals entlang der Strecken oder online über www.bidegi.eus. Die Maut muss in der Regel nach Fahrtantritt innerhalb von 24 Stunden entrichtet werden, ansonsten ist eine zusätzliche Gebühr fällig. Säumigen Zahlern droht nach zwei Monaten ein Bußgeld in Höhe von 150 bis rund 2.000 Euro. Darüber hinaus können Fahrer noch bis zum 9. Februar am Grenzübergang Irun die Maut bar bezahlen.

Umstellung des Mautsystems in Slowenien

In Slowenien wird zum 1. April 2018 das nationale Mautsystem umgestellt: Jedes Fahrzeug über 3,5 Tonnen benötigt dann eine On-Board Unit (OBU) und muss einmalig im neuen Mautsystem „DarsGo“ registriert werden. Somit entfallen an den mautpflichtigen Strecken die physischen Mautschranken. Für die neue OBU fallen keine Kaution, Miet- oder Servicegebühren an. Es wird aber eine Bearbeitungsgebühr fällig. Die Mautbox bleibt im Besitz des Betreibers.

Premiere für Lkw-Maut in Estland

In Estland fällt seit dem Jahreswechsel eine Lkw-Maut für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht an. Die Gebühr wird für das gesamte Straßennetz erhoben. Die Höhe der Maut richtet sich nach dem Gewicht des Fahrzeugs, der Anzahl der Achsen und der Schadstoffklasse. Sie beträgt demnach zwischen 9 Euro am Tag und 500 Euro im Jahr für Lkw bis 12 Tonnen und zwischen 12 Euro täglich und 1.300 Euro im Jahr bei über 12 Tonnen. Weitere Informationen über die neue Lkw-Maut unter www.roadtoll.ee.

Lesen Sie mehr zu den verschiedenen Mautsystemen in Europa unter

http://www.toll-collect-blog.de/lkw-maut-europa-mit-on-board-unit/

http://www.toll-collect-blog.de/lkw-maut-europa-unterwegs-mit-vignette/

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