02.08.2016 | Redaktion Blog

Mit dem Elektro-Lkw auf Zukunftskurs

Während E-Autos immer häufiger auf Deutschlands Straßen fahren, sind Elektro-Lkw bislang eine echte Seltenheit. Das könnte sich aber schon bald ändern – elektrische Lkw sind im Kommen, wie einige Pilotprojekte eindrucksvoll verdeutlichen.

Die aktuelle Shell-Nutzfahrzeugstudie geht davon aus, dass der Nutzfahrzeugbestand mittelfristig um mehr als 20 Prozent auf 3,5 Millionen Fahrzeuge wachsen wird. Die Fahrleistungen sollen laut der Studie für Lkw dabei um 39 Prozent oder von gut 83 Mrd. auf knapp 116 Mrd. Fahrzeugkilometer steigen. Das höchste Fahrleistungswachstum weisen Fernverkehrs-Lkw auf sowie die immer zahlreicheren leichten Nutzfahrzeuge. Damit einher gehen wachsende CO2-Emissionen. Elektrische Antriebe gewinnen daher immer mehr an Bedeutung – und das nicht nur für Pkw. Denn ein näherer Blick auf Deutschland zeigt: Auch Elektro-Lkw kommen langsam ins Rollen.

Stuttgart: CO2-Reduktion durch Elektro-Lkw

Dass Elektro-Lkw besonders für Kurzstrecken eine gute und mitunter kostensparende Alternative zu dieselbetriebenen Fahrzeugen sind, demonstriert derzeit die Stadt Stuttgart. Die baden-württembergische Hauptstadt setzt aktuell bei einigen ihrer Städtearbeiten auf vier Elektro-Lkw der Daimler-Truck-Tochter Fuso. Die Sechstonner vom Typ Fuso Canter E-Cell werden im Straßen- und Landschaftsbau sowie für die städtischen Möbeltransporte und die Auslieferung von Müll­tonnen genutzt. Die batteriebetriebenen Lkw haben eine Reichweite von circa 100 Kilometer und sparen nicht nur CO2, sondern verringern auch die Betriebskosten um ein Vielfaches. Ein zuvor durchgeführter Test in Portugal ergab Einsparungen bei den Betriebskosten von bis zu 64 Prozent im Vergleich zu einem konventionellen Diesel-Lkw.

Bereits

Bereits in Stuttgart im Einsatz: der Fuso Canter von Mitsubishi. Foto: http://fuso-trucks.de/fuso_de/presse-und-medien_mediencenter

Weiterhin stellte Daimler gerade den Mercedes-Benz Urban eTruck vor, der bis zu 200 Kilometer ohne erneutes Aufladen zurücklegen kann. Diese deutlich verbesserte Reichweite resultiert aus einem neu erdachten Antriebskonzept, bei dem eine elektrisch angetriebene Hinterachse unmittelbar neben den Radnaben liegt. Drei Lithium-Ionen-Batterie-Module sichern die Energieversorgung. Der Elektro-Lkw soll bis 2020 in Serie gehen und danach im städtischen Verteilerverkehr emissionsfrei fahren können.

TEDi: Maximale Reichweite mit optimaler Energieauslastung

Auch bei längeren Distanzen kommen Elektro-Lkw zum Einsatz. So in Nordrhein-Westfalen bei dem deutschen Discounter und Sonderpostenmarkt TEDi. Das Unternehmen setzt im Rahmen des Projektes „Elektromobile urbane Wirtschaftsverkehre“ (ELMO) bei seinen Auslieferungen unter anderem auf zwei elektrisch betriebene 12-Tonner, die mit hauseigenem Sonnenstrom aufgeladen werden. Ein speziell von TEDi-Logistik entwickeltes Konzept, das eine tägliche Fahrleistung von bis zu 370 Kilometer pro Fahrzeug vorsieht, sorgt dafür, dass die Lieferwege optimal auf die maximale Reichweite abgestimmt werden, um die Energie bestmöglich zu nutzen. Einmal geladen, können die Fahrzeuge mit rund fünf Tonnen maximaler Nutzlast etwa 200 Kilometer zurücklegen. Ein Ladevorgang dauert 4,5 Stunden und kann mehrmals pro Tag durchgeführt werden.

PV-Anlage_TEdi

Die firmeneigene Photovoltaik-Anlage bei TEdi speist auch die Elektro-Lkw. Foto: https://www.tedi.com/presse/downloadcenter/

DHL: Gelbe Zukunftsambitionen

Wie es aussieht, wenn der Gedanke von elektrischen Antrieben flächendeckend ist, will in naher Zukunft die Deutsche Post DHL zeigen. Bereits 2014 hat der Konzern die Paketzustellung im Raum Bonn komplett auf Elektro-Transporter umgestellt. Insgesamt sind derzeit mehr als 160 elektrische Transporter und Klein-Lkw im Auftrag von DHL unterwegs, die in Bonn und in anderen Großstädten wie Hamburg zum Einsatz kommen. In Bochum setzt DHL auf StreetScooter: Mit 24 neuen Fahrzeugen werden im innerstädtischen Bereich Pakete CO2-frei zugestellt. Bis Ende 2016 sollen dann insgesamt 65 StreetScooter im Einsatz sein, mit denen pro Jahr rund 195 Tonnen CO2 eingespart werden sollen. Für die Zukunft hat der Konzern dabei ehrgeizige Ambitionen und plant nichts Geringeres als seine komplette Fahrzeugflotte in Deutschland künftig auf Elektro-Autos umzustellen.

Vito eCell Videodreh mit den Elektrofahrzeugen Vito eCell, renault eKangoo, Iveco e-Daily und dem StreetScooter. Fotoaufnahmen während dem Dreh, bei Möglichkeit. Alle Mitarbeiter zustimmungen der Abgebildeten Personen liegen bei DHL/deutsche Post vor. Location: 1. Bonn Beuel, kreusstraße 2. Burghofstraße, Bonn Oberholtorf Foto: © Jennifer Zumbusch

Aufladen schnell gemacht: Wichtig für den Einsatz von Elektro-Fahrzeugen sind kurze Aufladezeiten. Fotos: http://www.dpdhl.com/de/presse/

Norwegen: Ein ganzes Land setzt auf E-Mobilität

Trotz dieser ambitionierten Projekte: Es ist noch Luft nach oben, was die Entwicklung von elektrischen Antrieben in Deutschland betrifft. Das zeigt unter anderem ein Blick auf Norwegen. Wie kein anderes Land fördern die Skandinavier den Kauf von E-Autos. Während bei Neuwagen mit Verbrennungsmotoren eine Luxussteuer von bis zu 85 Prozent auf den Neupreis fällig wird, sind Autos mit Elektromotoren von der Abgabe ausgenommen. In den Ausstellungsräumen der Autohändler ist damit ein deutscher Mittelklassewagen mit Benzin- oder Dieselmotor ähnlich teuer wie ein Modell von Tesla, Renault oder Nissan mit E-Antrieb.

Und es geht weiter: Bei der Anschaffung eines Elektroautos entfällt in Norwegen auch die Mehrwertsteuer. Ebenso sind mit Strom betriebene Gefährte von der Kfz-Steuer und der Abgas-Abgabe befreit. All das hat bewirkt, dass im vergangenen Jahr bereits 18 Prozent aller Neuzulassungen Elektroautos waren. Bezogen auf die Einwohnerzahl von 5,2 Millionen, hat das Land damit schon jetzt die größte Dichte an E-Autos Europas. Den Skandinaviern aber reicht dies nicht. Sie wollen den Verbrennungsmotor endgültig verbannen. Eine spannende Entwicklung, die sich auch auf den Lkw-Verkehr und dessen Fortschritt weiter auswirken könnte.

Kommentare (0)