05.07.2020 | Stephanie Kunert

Mautnetz-Report: Corona-Auswirkungen auf den Schwerverkehr

In der ersten Ausgabe vom Toll Collect-Report „Mautnetz und Lkw-Verkehr“ hat der Mautbetreiber die anonymisierten Daten aus dem Lkw-Mautsystem während der ersten Phase der Corona-Pandemie ausgewertet. Die Auswirkungen sind klar erkennbar.

Durch die COVID-19-Pandemie fuhr im April 2020 fast im gesamten Mautnetz weniger Schwerverkehr als im Vorjahresmonat. Nur vereinzelt, vorwiegend im Norden, waren noch einige geringfügige Zunahmen der Befahrung zu sehen. Das Autobahnnetz, und hier insbesondere seine Transitrouten zwischen Ost und West, war am deutlichsten von der Abnahme des Schwerverkehrs betroffen. Vor allem auf der bayrischen Autobahn 6 fuhren im April 2020 stellenweise 25 Prozent weniger Lkw als im April 2019.

Download des Mautnetz-Reports

Rückgänge im grenzüberschreitenden Verkehr

Die deutlichen Rückgänge auf den Transitrouten standen in unmittelbarem Zusammenhang mit Ein- und Ausreiseänderungen an Grenzübergängen zu den Anrainerstaaten. Zwar wurden europaweit zahlreiche Einreiseverbote von einzelnen Staaten erlassen. Der gewerbliche Warenverkehr blieb davon jedoch weitgehend ausgenommen. Insgesamt kam es beim mautpflichtigen Schwerverkehr dennoch zu Rückgängen von mehr als 17 Prozent bei den Ein- und Ausreisen.

Dabei gab es große Unterschiede zwischen den Anrainerstaaten. Der Grenzverkehr nach Frankreich brach um 38 Prozent ein, gefolgt von Luxemburg mit einem Einbruch von 27 und Tschechien von 26 Prozent. Einzig der Schwerverkehr von und nach Dänemark über das mautpflichtige Netz nahm entgegen der Gesamttendenz sogar leicht zu.

Mautnetz-Report untersucht Grenzüberfahrten

Veränderung von Ein- und Ausreisen im Schwerverkehr an Grenzübergängen. Grün = Veränderung der Einreisen; Blau = Veränderung der Ausreisen

Lockerung des Sonntagsfahrverbots

Ab Mitte März hat die Bundesregierung das in Deutschland geltende „Sonntagsfahrverbot“ außer Kraft gesetzt. Es galt bis dahin an Sonn- und Feiertagen in der Zeit von 0 bis 22 Uhr für Lkw im gewerblichen Verkehr mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 7,5 Tonnen.

Um herauszufinden, ob die Lockerung zu einer Erhöhung der Fahrleistung an Sonntagen geführt hat, wurde jeweils ein dreiwöchiger Zeitraum vor und während Corona miteinander verglichen. Tatsächlich stieg dabei der Fahrleistungsanteil von 1,3 Prozent auf 1,6 Prozent. Absolut erhöhte sich die durchschnittliche Fahrleistung an diesen Sonntagen von rund 10,1 Millionen auf 11,8 Millionen Kilometer. Die Lockerung hatte außerdem zur Folge, dass Lkw-Fahrten besser über den Tag verteilt wurden. Dies zeigte sich insbesondere in einer stärkeren Befahrung an Nachmittagen und durch den verringerten Anteil der Fahrten um Mitternacht.

Mautnetz zeigt Veränderungen an Sonntagen

Fahrleistung an Sonntagen vor und während Corona

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