Weißer Lkw auf der Bundesstraße B 51.
12.11.2020 | Jana Mollenhauer

Mautnetz-Report: Was macht der Lkw auf der Kreisstraße?

In der zweiten Ausgabe des Mautnetz-Reports haben die Datenanalyst*innen von Toll Collect den Schwerverkehr auf Kreisstraßen näher unter die Lupe genommen.

In den regionalen Medien wurde der Lkw-Verkehr auf der Kreisstraße K1227, östlich von Magdeburg thematisiert. Demnach stellt der Verkehr eine besondere Belastung für die Anwohner der Magdeburger Stadtteile Cracau und Prester dar, da immer mehr Lastkraftwagen durch die Hauptstraßen rollen.

Aus diesem Grund haben sich die Analyst*innen des Mautbetreibers die Befahrung der Kreisstraße genauer angeschaut. Sie wollten herausfinden, ob Lkw die K1227 befahren, um der mautpflichtigen Bundesstraße auszuweichen oder ob es sich hier um Abkürzungsverkehr handelt.

Strecke über Kreisstraße ist drei Kilometer kürzer

Anhand einer Stichprobe aus den anonymisierten Befahrungsdaten wurde festgestellt, dass täglich circa 60 Lkw die Route über die Kreisstraße – in Summe für beide Richtungen – nutzen. Im Vergleich zur mautpflichtigen Strecke zwischen dem Gebiet südlich von Schönebeck (Elbe) und der Elbquerung im Stadtgebiet von Magdeburg ist der Weg über die K1227 drei Kilometer kürzer.

Befahrungsstärken im Raum Magdeburg

Befahrungsstärken im Raum Magdeburg

Angenommen, ein Lkw mit 24 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht in der Schadstoffklasse Euro 6 mit drei Achsen befährt diese Strecke. Dann würden Transport- und Logistikunternehmen knapp vier Euro pro Fahrt über die Kreisstraße einsparen. Würde dieser Lkw die kürzeste mautpflichtige Route über die Bundesstraßen B1, B184 und B246A befahren, bedeutete dies einen drei Kilometer längeren Weg und knapp vier Euro Mehraufwand.

Alternativrouten bringen keine Vorteile

Wären die Bundesstraßen noch mautfrei, würde dies nicht zwingend zur von den Anwohnern erhofften Verkehrsverlagerung auf die Alternativrouten führen. Denn der Weg über die Bundesstraßen oder die Autobahn A14 bringt bei ungestörten Verkehrsverhältnissen weder zeitliche noch monetäre Vorteile.

Das zeigt, dass regionale Belastungen durch den Lkw-Verkehr zwar real und vermutlich auch nicht selten sind. Jedoch ist dies nicht zwingend auf die Wirkung der Lkw-Maut, also den Mautausweichverkehr, zurückzuführen.

Gute Gründe gegen den Ausweichverkehr

Transport- und Logistikunternehmen stehen unter enormem Zeit- und Kostendruck. Um rentabel arbeiten zu können, müssen sie in der Lage sein, möglichst viele Aufträge auszuführen. Das können sie nur, wenn sie direkte Wege auf gut ausgebauten Straßen wählen. Das Ausweichen auf das nachgeordnete Straßennetz ist in der Regel teurer als die anstehenden Mautgebühren und kostet mehr Zeit.

Zum aktuellen Report.

Interview mit Prof. Lietdke zu Mautausweichverkehr Prof. Gernot Liedtke Abteilungsleiter Wirtschaftsverkehr am Institut für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Foto: Norbert Michalke

Lkw-Fahrer weichen nicht parallel zur Autobahn aus. Es wird abgekürzt, aber es wird kaum parallel ausgewichen.

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