Autobahn-Raststätte
19.11.2019 | Stephanie Kunert

Lkw-Parkplatzmangel: Bis zu 40.000 Stellplätze fehlen

Neu ist das Problem nicht – aber akuter denn je: Laut Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen deutschlandweit aktuell bis zu 40.000 Lkw-Stellplätze. Das bringt Fahrer dazu, Lenkzeiten zu überschreiten und gefährdet die Verkehrssicherheit.

Auf der Eröffnung der diesjährigen Nutzfahrzeugmesse NUFAM hat Dr. Werner Andres, Leiter Verkehrssicherheit beim BGL, die aktuelle Parkplatzsituation geschildert: Rund 51.600 Stellplätze gibt es derzeit auf den Rastanlagen des Bundes. Dazu kommen rund 45.000 Stellplätze auf Autohöfen.

Problem erkannt: Bund baut seit 2009 neue Parkplätze

Die Vorhaben der Bundesregierung sind klar formuliert: Im aktuellen Koalitionsvertrag haben sich die Regierungsparteien darauf geeinigt, „weiterhin in den Ausbau des Parkplatzangebotes für Lkw auf den Rastanlagen der Bundesautobahnen [zu… Anm. der Redaktion] investieren.“ Auch im Aktionsplan Güterverkehr und Logistik vom September 2017 ist die Maßnahme festgelegt, zusätzliche Parkflächen an Bundesautobahnen zu schaffen.

So entstanden zwischen 2009 und 2018 durch Baumaßnahmen des Bundes 16.589 neue Lkw-Stellplätze. Insgesamt investierte der Bund bisher über eine Milliarde Euro in den Bau neuer Stellflächen. In den Jahren zwischen 2020 und 2023 will er noch einmal jeweils 100 Millionen Euro investieren.

Problem besteht weiter: Maßnahmen reichen nicht aus

Erklärung Tonnenkilometer

Und doch fehlen laut einer Schätzung des BGL zwischen 35.000 und 40.000 Lkw-Parkplätze in Deutschland.

Stellt man einmal das Wachstum des Straßengüterverkehrs aufgrund der Zunahme weltweiter Warenströme den Zahlen zu den Stellplätzen gegenüber, ahnt man, warum die Bemühungen des Bundes nicht ausreichen. Zwischen 1992 und 2018 haben sich die Lkw-Transportleistungen in Deutschland verdoppelt. Für 2018 beläuft sich die Transportleistung auf knapp 507 Milliarden Tonnenkilometer. Die Verkehrsprognose 2030 sagt voraus, dass sie sich bis 2030 auf 573 Milliarden Tonnenkilometer steigern wird.

Prof. Dr. Dirk Engelhardt BGL-Vorstandssprecher

„Nur, wenn der Zubau an Lkw-Stellplätzen schneller ansteigt als der hinzuwachsende Zusatzbedarf, werden wir das Problem irgendwann in den Griff bekommen. Und das Problem ist nicht nur ein isoliert zu betrachtendes Logistik-Problem, denn ausgeruhte Lkw-Fahrer erhöhen die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer!“

Problem wird größer: Verkehrssicherheit gefährdet

Lkw-Fahrer dürfen maximal neun Stunden am Tag hinter dem Steuer sitzen. Danach muss eine Ruhephase von elf Stunden folgen. Sie müssen während ihrer Schicht alle viereinhalb Stunden mindestens 45 Minuten Pause machen. Dafür benötigen sie aber einen Stellplatz, der ihnen zu genau diesem Zeitpunkt auch zur Verfügung steht.

Die überfüllten Parkplätze an Tank- und Rastanlagen und auf den Autohöfen führen dann aber zu Suchverkehr. Der blockiert nicht nur die Strecken, sondern zwingt die übermüdeten Fahrer, ihre Lenkzeiten zu überschreiten. Nach vier bis fünf Versuchen täglich, einen Parkplatz zu finden, bleibt ihnen dann nichts Anderes übrig: Sie stellen ihre Lkw auf nicht gekennzeichneten Flächen wie den Aus- und Auffahrten oder den Autobahnstandstreifen ab. Genauso gefährlich ist das wilde Parken an Landstraßen oder in Wohngebieten. Dort fehlt den Fahrern außerdem eine angemessene Infrastruktur für ihre Ruhepause. Außerdem verbraucht ein Lkw durch den Suchverkehr mit häufigem Abbremsen und Beschleunigen überdurchschnittlich viel Diesel. Und nicht zuletzt drohen den Fahrern und Spediteuren Strafzahlungen für die Überschreitung der Lenk- und Ruhezeiten und das falsche Parken.

Dr. Werner Andres vom BGL ist angesichts dieser Situation für die Fahrer sehr klar: „Das Ausmaß des Defizits in der Verkehrssicherheit ist nicht länger hinnehmbar! Der Neubau hinkt dem Bedarf beträchtlich hinterher.“

Problem wird angegangen: Unternehmen präsentieren Lösungen

Doch der Neubau von Stellflächen allein kann das Problem des Parkplatzmangels nicht lösen. Denn der dauert seine Zeit. Laut BGL benötigt der Bau eines neuen Lkw-Parkplatzes mit Beginn der Objektplanung gute fünf Jahre. Davor ist noch die Hürde zu nehmen, überhaupt einen Standort zu finden. Denn nicht selten stoßen solche Pläne in den Anliegergemeinden auf Widerstand, da die Bevölkerung mit solch einem Bau nicht einverstanden ist.

Truck Tower gegen Lkw-Parkplatzmangel
Der TruckTower der Firma Abona ist eines der Projekte, die dem Mangel an Lkw-Parkplätzen entgegentreten wollen.

Daher müssen andere Maßnahmen her. Welche Lösungen aus der analogen und der digitalen Welt entsprechende Anbieter vorschlagen, stellt der Toll Collect-Blog im nächsten Artikel vor.

Kommentare (0)