Lkw-Vermietung für Berufskraftfahrer
26.04.2016 | Oliver Jesgulke

Lkw-Mietmarkt für Berufskraftfahrer boomt in Deutschland

Berufskraftfahrer erbringen heute mit ihren Lkw rund 70 Prozent der Güterverkehrsleistung in Deutschland. Regelmäßig benötigen Transportunternehmer neue Fahrzeuge. Immer häufiger entscheiden sie sich für Miete anstelle von Kauf oder Leasing eines Lkw.

Spätestens seit der Weltwirtschaftskrise 2008 und in den Folgejahren ist Spediteuren klar geworden, wie wertvoll es ist, eine flexible Fahrzeugflotte für ihre Berufskraftfahrer zu haben. Finanzierung und Leasing sind integraler Bestandteil des Nutzfahrzeuggeschäfts geworden. Eine weitere Möglichkeit, die Flexibilität zu erhöhen, ist die Miete von Lkw. Sie bietet Transportunternehmen die Möglichkeit, noch besser auf saisonale Auslastungsschwankungen oder den Ausfall eigener Fahrzeuge zu reagieren. In konjunkturell schwachen Zeiten können sie zuerst ihre Mietfahrzeuge stilllegen. Außerdem kann der Mieter mit festen Kosten kalkulieren: Die monatliche Rate deckt in der Regel Werkstatt, Versicherung, Steuern und GEZ ab. Lediglich die Ausgaben für Kraftstoff, Lkw-Maut und Löhne für die Berufskraftfahrer kommen dazu. Und die Lkw-Miete bindet weniger Kapital, das dann für andere Investitionen bereitsteht.

Das Mietgeschäft ist äußerst vielfältig. Fuhrunternehmen haben eine große Auswahl. Ob 7,5-Tonner oder Schwerlastzugmaschine, Auflieger, Lkw-Anhänger und Sonderfahrzeuge für den Bau, Winterdienst oder Tiefkühltransporte – für Berufskraftfahrer ist alles im Angebot. Dabei können sich die Mieter für verschiedene Servicepakete entscheiden: von Wartung und Reparatur über Telematik-Mehrwertdienste bis hin zur kompletten Abwicklung von Mautgebühren, die Toll Collect im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erhebt. Auch die Dauer der Vermietung variiert stark – von mehreren Jahren bis zu einzelnen Tagen. Hier wirkt sich der Trend zu immer kurzfristiger eingehenden Frachtaufträgen aus. Lag die klassische Kurzzeitmiete in der Vergangenheit  zwischen einem halben und einem Jahr, geht die Tendenz derzeit hin zu wenigen Monaten oder Wochen. Eine Langzeitmiete beginnt in der Regel bei drei Jahren. In diesem Fall räumen die Anbieter ihren Kunden oft weitreichende Optionen ein: Die Fahrzeuge können zum Beispiel nach den Vorgaben des Kunden konfiguriert und in den Hausfarben des Transportunternehmens zur Verfügung gestellt werden.

Lkw-Vermeitung wird immer wichtiger

Schnell beim Kunden etwas abholen: Flexibilität wird für Berufskraftfahrer und Speditionen immer wichtiger. Mietfahrzeuge sind eine Lösung

Marktentwicklung in Deutschland

Der hiesige Lkw-Markt entwickelt sich weiter in Richtung Miete. Wurden vor zehn Jahren etwa vier Prozent der neu zugelassenen Lkw gemietet, liegt ihr Anteil gegenwärtig bei knapp 15 Prozent. Branchenexperten rechnen mittelfristig mit einem Anstieg auf 20 Prozent. Stärker ausgeprägt ist das Mietgeschäft in Großbritannien und Skandinavien. Hier werden bereits jetzt Werte um 30 Prozent erreicht. Welches Potenzial dieser Markt hat, zeigt ein Blick in die Vereinigten Staaten: Hier wurden schon 2010 rund die Hälfte aller neu zugelassenen Lkw für Berufskraftfahrer gemietet.

Lange Zeit war der Markt für die Vermietung – und auch für das Leasing – von Lkw in Deutschland vor allem in den Händen von herstellerunabhängigen Anbietern, die Fahrzeuge verschiedener Marken für Berufskraftfahrer in ihrem Portfolio haben. Gesellschafter sind oft Unternehmen aus dem Finanzsektor. Doch sämtliche Lkw-Hersteller haben in diesem Segment in den vergangenen Jahren nachgezogen. Deren Miet- und Leasinggesellschaften decken nach Angaben der Beratungsgesellschaft Bain & Company hierzulande rund ein Drittel des Mietmarkts ab. Die Hersteller wollen vor allem den Absatz ihrer Fahrzeuge fördern. Außerdem gibt es mittelständische Nutzfahrzeug- und klassische Pkw-Vermieter wie Sixt, Hertz und Co. Sie bieten allerdings meist nur Lkw in Standardausführung für die Kurzzeitmiete.

Lkw-Vermietung Infografik

Für welche Kunden lohnt sich die Lkw-Miete? Quelle: Bain & Company

Die größten Vermieter für Berufskraftfahrer

Unter den zehn größten Nutzfahrzeugvermietern finden sich nach einem Ranking der Verkehrsrundschau von 2014 vier Hersteller: Gemessen an der zu vermietenden Flotte ist MAN Financial Services der größte Vermieter hierzulande. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft des Volkswagen-Konzerns und verleiht insgesamt 14.000 Lkw, Sattelauflieger und Anhänger. Mit dem Branchenvize Pema der französischen Bankengruppe Société Générale folgt ein markenunabhängiger Anbieter. Sein Fuhrpark mit 11.000 Fahrzeugen war 2014 zu 91 Prozent ausgelastet. Dann folgt die Konkurrenz mit dem Stern: Mercedes-Benz Charterway ist seit 1998 für den Daimler-Konzern im Mietgeschäft tätig und verfügt über 8.000 Lkw und Transporter. Auf den Rängen vier und fünf folgen die insbesondere für ihre Pkw-Flotte bekannten Anbieter Hertz und Europcar mit 6.000 bzw. 5.000 ziehenden Einheiten. Der US-amerikanische Lkw-Hersteller Paccar vermietet über sein Tochterunternehmen PacLease in Europa die Truckmarke DAF und ist auf Rang acht wiederzufinden. Dahinter folgt mit Scania Rent der vierte Hersteller unter den Top Ten. Auch Volvo, Iveco und Renault drängen zunehmend auf den deutschen Markt und kämpfen um die Gunst der Berufskraftfahrer.

Viele Fuhrunternehmen agieren mit ihren Flotten länderübergreifend. Daher wollen sich die großen herstellerabhängigen Lkw-Vermieter wie Mercedes-Benz Charterway europaweit etablieren. Doch bislang ist der europäische Markt vor allem in den Händen von herstellerunabhängigen Vermietern. Nach eigenen Angaben ist das französische Unternehmen Fraikin derzeit der größte Nutzfahrzeugvermieter in Europa mit 50.000 Fahrzeugen und 180 Geschäftsstellen.

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