14.07.2020 | Stephanie Kunert

Lkw-Fahrer rückt in den Fokus

Das Wort „systemrelevant“ war in den letzten Wochen und Monaten sicher eines der meistbenutzten in der Berichterstattung. Systemrelevant sind Menschen und Berufsgruppen, die vor der Corona-Krise eher weniger Beachtung fanden. Dazu gehört auch der Lkw-Fahrer. Die Anerkennung für den Beruf stieg plötzlich enorm. Aber wie kommt das in der Logistik-Branche und bei den Lkw-Fahrern selbst an? Und wie sieht die Zukunft für die Lkw-Fahrer aus? Wir haben nachgefragt.

Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung

Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung

Zuallererst ist der Fahrermangel wirklich eklatant. Nach aktuellen Schätzungen fehlen uns bis zu 60.000 Fahrer akut. Jedes Jahr werden es 15.000 mehr, die derzeit nicht durch Fahrer aus Osteuropa kompensiert werden. Zum einen muss das Image des Berufs erhöht werden, zum anderen muss sich auch das Verhalten gegenüber den Fahrern ändern. Die Wertschätzung muss sich erhöhen. Wir brauchen andere Fahrerhäuser, die den Fahrern mehr Autarkie auf den Parkplätzen bieten. Genauso brauchen wir einen höheren Frauenanteil, der aktuell bei 1,7 Prozent ist und ein vernünftiges Einwanderungsgesetz. Es ist also einen Mix aus verschiedenen Maßnahmen. Ob das ausreicht, den drohenden Versorgungskollaps zu vermeiden, wird die Zukunft zeigen.

Christina Scheib, Lkw-Fahrerin

Lkw-Fahrerin Christina Scheib

Es ist nötig, dass die Leute mehr darüber nachdenken, wo die Sachen in den Supermärkten und Einkaufsläden herkommen: die Blumen, die Lebensmittel, die Klamotten. Also einfach alles, was wir einkaufen. Das wächst nicht im Penny oder im Lidl. Das müssen wir Lkw-Fahrerinnen und Lkw-Fahrer alles bringen. Ich wünsche mir, dass die Menschen ein bisschen umdenken. Dass sie darüber nachdenken, wie das Ganze überhaupt da hinkommt, wo sie es kaufen.

 

 

 

 

 

 

Joachim Fehrenkötter, Transportunternehmer

Joachim Fehrenkötter, Geschäftsführer von Fehrenkötter Transporte

Im ersten Moment freut es natürlich, dass man eine gewisse Sichtbarkeit und Wertschätzung hat. Aber wenn ich sehe, wie viel Betriebe ihre Toiletten, Duschen und ihre Sanitäranlagen den Kraftfahrern versperren, empfinde ich das als einen ziemlichen Skandal. Ich könnte aufs Klatschen verzichten, wenn dafür gesorgt wird, dass das, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit für uns alle ist, für Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer auch gilt und dafür kämpfe ich auch.

Marcel Frings, Vorstand der Straßenverkehrsgenossenschaft

Marcel Frings: Kenner der Logistik
Marcel Frings, Vorstand der SVG

Ich hoffe, dass die Relevanz der Logistik weiter ins Bewusstsein der Menschen rückt. Vor allem muss man herausheben, wie wichtig das Personal ist – und hier explizit hervorgehoben die Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer. Sie sorgen tagtäglich dafür, dass die Waren von den unterschiedlichen Produktionsunternehmen zu den unterschiedlichen Lagern, dann wiederum zum Ort des Verkaufs gebracht werden.

Kommentare (0)