12.06.2018 | Redaktion Blog

Leerstand hinter dem Lenkrad: Fachkräftemangel bleibt bestehen

Im Jahr 2016 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Berufskraftfahrer um knapp zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Fachkräftemangel hält dennoch weiter an. Initiativen wie „Hallo Zukunft!“ können dazu beitragen, mehr Menschen für den Beruf des Kraftfahrers zu interessieren.

Fachkräftemangel aufgrund weniger junger Berufskraftfahrer

Berufskraftfahrer werden immer älter. Zu diesem Ergebnis gelangt das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) in seiner jährlichen Analyse des Marktes und der Arbeitsbedingungen im Güter- und Logistikbereich. Obwohl die Branche laut Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2016 erneut einen Beschäftigungsanstieg von knapp zwei Prozent verzeichnen konnte, mangelt es an Fachkräften. Ein Anstieg der älteren Berufskraftfahrer steht sinkenden Beschäftigungszahlen junger Berufseinsteiger gegenüber.

Ein Grund für den Fachkräftemangel: Die Fahrer werden immer älter

Die Logistikbranche wächst

Die Nachfrage von Fachkräften steigt stetig: Im Oktober 2016 gab es erstmalig mehr offene Stellen für Berufskraftfahrer als registrierte Arbeitslose in diesem Bereich. Während die Branche boomt, kann das Angebot an qualifizierten Fahrern nicht schritthalten. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, gibt es vermehrt Initiativen, neue Berufskraftfahrer auszubilden. Die Jobcenter Biberach und Ulm starteten so beispielsweise gemeinsam mit der IHK Ulm ein Pilotprojekt, das Geringqualifizierte und Flüchtlinge zu Berufskraftfahrern ausbildet. Die Teilnehmer können eine berufsanschlussfähige Teilqualifizierung erlangen und somit direkt in den Arbeitsmarkt einsteigen.

Umfrage bestätigt: Arbeitsbedingungen sind zufriedenstellend

Im Rahmen der Arbeitsmarktanalyse befragte das BAG knapp 270 Berufskraftfahrer nach der Zufriedenheit in ihrem Beruf. Rund 70 Prozent gaben an, mit ihren Arbeitsbedingungen überwiegend zufrieden zu sein. Bis 2017 stiegen so beispielsweise die tariflichen Stundenlohnsätze weiter an. Die Höhe des Grundgehalts sowie ein gutes Betriebsklima nahmen für die Fahrer einen besonders hohen Stellenwert ein. Immer wichtiger werden daneben die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Ausstattung des Fahrzeugs.

Wunschberuf Lkw-Fahrer?

Allerdings gaben nur knapp 50 Prozent der Befragten an, als Berufskraftfahrer ihren Wunschberuf auszuüben. Die Wege in den Beruf sind gerade deshalb vielfältig. Dies zeigt auch die Qualifizierungsmaßnahme der IHK Ulm. Die wenigsten Fahrer starten in jungen Jahren mit einer Ausbildung ins Berufsleben. Auf zwei gemeldete Ausbildungsstellen kamen laut BAG im Schnitt nur ein Bewerber. Neben der klassischen Ausbildung sind Qualifizierungsmaßnahmen daher ein wichtiger Schritt, um den Leerstand hinter dem Lenkrad dauerhaft zu beheben. Im Jahr 2016 konnte so ein Anstieg der Teilnehmerzahlen in der staatlichen Maßnahme zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Berufsbild Berufskraftfahrer beobachtet werden. 

Berufsbild attraktiver machen

Auch Toll Collect schreibt es sich auf die Fahne dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und unterstützt deshalb die Initiative „Hallo, Zukunft!“. Diese engagiert sich für mehr Nachwuchs in Verkehr, Transport und Logistik. Mit dem Wissenswettbewerb „Best BKF“ fördert das Unternehmen ganz speziell Berufskraftfahrer-Azubis. Die angehenden Fahrer stellen ihr Wissen rund um ihre Ausbildung und ihren Beruf unter Beweis. Die diesjährigen Gewinner stehen fest. Sie werden am 29. Juni auf dem Truck Grand Prix ausgezeichnet und können das gesamte Wochenende auf dem Nürburgring verbringen.

Bei solch guten Azubis gibts vielleicht bald keinen Fachkräftemangel mehr

Das waren die Best BKF-Gewinner im Jahr 2017: Jannick Kunze, Timo Lessig und Gatis Upitis (v.l.)

Darüber hinaus fördert das BAG im Rahmen des Programms „Aus- und Weiterbildung“ Unternehmen des Güterkraftverkehrs, die Ausbildungsplätze für Berufskraftfahrer anbieten. Für die kommenden Jahre soll das Ziel sein, das Berufsbild insgesamt attraktiver zu machen. Dazu zählen nicht nur Lohnanpassungen, sondern auch geregeltere Arbeits- und Ruhezeiten. Auch mehr Frauen sollen dazu bewogen werden, eine Ausbildung als Berufskraftfahrer zu beginnen. Denn eine funktionierende Logistikbranche ohne Berufskraftfahrer wird auch in Zukunft nicht möglich sein.

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