Laderampen sind noch immer ein Brennpunkt in der Logistik.
19.04.2018 | Oliver Jesgulke

Laderampen: Störfaktoren im Logistik-Ablauf

Die Abläufe an deutschen Laderampen sind weiterhin ein heikles Thema unter Lkw-Fahrern und Laderampenbetreiber. Das zeigt ein Bericht des BAG.

Effiziente Logistik ist angewiesen auf reibungslose Abläufe. Laderampen sind allerdings seit Jahren logistische Engpässen und Störfaktoren im planmäßigen Tourenablauf für Spediteure, Fahrer und Warenempfänger. Das kann auch zu wirtschaftlichen Nachteilen bei allen Beteiligten führen. Die Situation ist folglich seit vielen Jahren Gegenstand einer kontroversen Diskussion und sogar zu einem Politikum geworden. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BVMI) hat sich dem Thema mit dem Aktionsplan Güterverkehr und Logistik auch in der aktualisierten Version vom September 2017 wieder angenommen. Eine Maßnahme sieht vor, dass das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) in regelmäßigen Abständen die Entwicklung an den Laderampen hierzulande beobachtet.

Situation an Laderampen weiter angespannt

Nun hat das BAG kürzlich einen weiteren Bericht zur aktuellen Situation und zu den Abläufen an Laderampen publiziert. Dazu hat das Bundesamt eine repräsentative Befragung durchgeführt. Es hat mit 778 Lkw-Fahrern aus dem In- und Ausland sowie 87 Betreibern von Logistikhubs und Lagerhallen aus der Industrie und dem Groß- bzw. Einzelhandel gesprochen. Die Ergebnisse lassen keine Rückschlüsse auf eine wesentliche Verbesserung der Situation zu. Zudem zeigt sich: Die Perspektive auf die Laderampe ist bei Fahrer und Lagermitarbeiter weiterhin völlig unterschiedlich. Beispiel: Fast jeder zweite Kraftfahrer beklagte, dass die Wartezeit an Logistikzentren und Lagerhallen innerhalb der vergangenen fünf Jahre zugenommen hat. Bei den Rampenbetreibern waren es dagegen nur gut 16 Prozent.

Zuständigkeit für die Entladung ist oft unklar

Über 90 Prozent der Brummifahrer gaben an, ihr Fahrzeug selbst entladen zu müssen, anstatt schnell wieder auf die Straße zu kommen. Im Gegenzug sagen rund 40 Prozent der befragten Rampenbetreiber, dass an ihren Rampen niemand selbst entladen muss. Oft sind hier die vertraglichen Regelungen unklar, wie aus dem Bericht hervorgeht. 65 Prozent der Fahrer wissen im Vorfeld nicht, ob sie ihr Fahrzeug selbst entladen müssen. Bei Truckern aus dem Ausland ist dieser Anteil besonders hoch. Sind die Zuständigkeiten unklar, legt der Rampenbetreiber meistens fest, ob der Lkw-Fahrer die Fracht entladen muss oder nicht. In Rund einem Viertel der Fälle trifft diese Entscheidung der Spediteur bzw. Arbeitgeber des Fahrers. Im seltensten Fall entscheidet der Fahrer selbständig.

Positive Signale beim persönlichen Umgang

Potenziale bieten Zeitfenstermanagementsysteme, die die Befragten überwiegend positiv bewerten. Mehr als die Hälfte der Fahrer hat regelmäßig mit solchen Systemen zu tun. Ein wesentlicher Vorteil der Nutzung besteht darin, dass Rampenbetreibern frühzeitig Informationen darüber vorliegen, wie viele Lkw zu welchen Tageszeiten die Laderampen anfahren. Über das System werden dann Zeitfenster vergeben.

Allerdings ist der Anteil der Befürworter unter den Fahrern mit 57 Prozent geringer als unter den Rampenbetreibern mit 84 Prozent. Fahrer, die nie oder nur selten mit den Systemen in Berührung kommen, bewerten diese insgesamt positiver als Fahrer, die häufig oder immer mit ihnen zu tun haben. Positive Tendenzen zeigen sich darüber hinaus bei den sozialen Aspekten: Der persönliche Umgang an den Rampen wird von Fahrern und Betreibern als überwiegend positiv und kollegial empfunden. Deutsche und ältere Fahrer empfinden den persönlichen Umgang dabei tendenziell positiver als ausländische bzw. junge Fahrer. Überdies bekommen nahezu alle Fahrer Zugang zu den sanitären Einrichtungen des Rampenbetreibers.

Verbesserungsvorschläge von Fahrern und Rampenbetreibern

Vorschläge, um die Situation an der Laderampe zu verbessern, sind ebenfalls in den Bericht eingeflossen. Die Berufskraftfahrer wünschen sich mehrheitlich den Ausbau von Personalkapazitäten an den Laderampen, flexiblere „Öffnungszeiten“ und den Ausbau von Parkplätzen vor allem für Warte- und Standzeiten. Darüber hinaus soll die allgemeine Informationslage an den Laderampen verbessert werden. Die Befragten fordern zudem gesetzliche Regelungen, die das Entladen durch den Fahrer verbieten. Rampenbetreiber wünschen sich im Hinblick auf eine Verbesserung der Situation bessere Sprachkenntnisse ausländischer Fahrer. Zumindest Englisch erwarten sie für eine Grundkommunikation.

Handbuch des BMVI schafft Abhilfe an der Laderampe

Für eine Verbesserung empfiehlt sich auch das Handbuch „Schnittstelle Laderampe – Gute Beispiele“. In einem eigens dafür eingerichteten Arbeitskreis haben Verbände der Verkehrswirtschaft, des Handels und der Industrie gemeinsam an einer Handlungsempfehlung für bestehende Probleme mitgewirkt. Dazu wurden Rampenprozesse in Vor-Ort-Analysen betrachtet und Schwachstellen ermittelt. Herausgekommen ist ein 52-seitiges Handbuch, das anhand von Praxisbeispielen erläutert, wie sich die Situation mithilfe moderner Kommunikationssysteme und optimierter Abläufe an den Laderampen nachhaltig verbessern lässt.

Der vollständige Bericht steht ab sofort hier zur Verfügung.

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