Weißer Scania Lkw tankt an einer Stromladesäule
10.12.2021 | Oliver Jesgulke

Hochleistungsladen für E-Lkw

Schnellladesysteme: Was es für Elektroautos in Deutschland bereits gibt, fehlt für E-Lkw noch. Mit dem Projekt Hochleistungsladen im Lkw-Fernverkehr (HoLa) soll sich das nun ändern.

Damit sich batterieelektrische Antriebe auch im Schwerlastverkehr durchsetzen können, braucht es einen massiven Infrastrukturausbau, gerade was das Megawattladen betrifft. Die Transportprofile im Bereich Langstreckentransport mit schweren Lkw bringen allerdings besondere Herausforderungen im Hinblick auf Ladesysteme, Energieversorgung und Standorte mit sich, um batterieelektrische Lkw innerhalb der gesetzlichen Pausenzeiten von 45 Minuten auch ausreichend schnell laden zu können. Viele Fragen sind derzeit noch offen. Vor allem Erfahrungen beim Aufbau und Betrieb entsprechender Ladeparks fehlen. Das im Rahmen der Förderrichtlinie Elektromobilität vom BMVI geförderte Forschungsprojekt HoLa setzt genau da an.

Branchenübergreifendes Konsortium erprobt Hochleistungsladen für E-Lkw

Sowohl praktische als auch wissenschaftliche Erkenntnisse sollen zum Aufbau und Betrieb von Ladestationen für Lkw-Flotten in Deutschland gesammelt werden. Ziel ist das Entstehen einer Blaupause für den flächendeckenden Ausbau von Lkw-Hochleistungsladeparks. Mehr als 20 Partner aus Industrie und Forschung sind an dem Konsortium beteiligt. Die Schirmherrschaft hat der Verband der Automobilindustrie e.V. inne. Neben den vier Lkw-Herstellern Daimler Truck, MAN, Scania und Volvo sind unter anderem das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, der Energiekonzern EnBW als Betreiber der Ladestandorte sowie die Unternehmen ABB, Heliox und Siemens für den Aufbau der Infrastruktur beteiligt.

Das nötige Wissen wird durch den prototypischen Aufbau und Betrieb von Hochleistungsladeparks beigesteuert. Dies trägt dazu bei, geeignete Standorte für E-Lkw frühzeitig in Logistikprozesse zu integrieren und Nutzungserfahrungen beim neuartigen Schnellladen von E-Lkw zu sammeln.

MCS-Technologie ermöglicht Megawattladen im Schwerlastverkehr

Im ersten Schritt ist eine Demonstrationsstrecke auf der Bundesautobahn A2 zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet geplant. An zwei Rasthöfen und zwei Logistikzentren werden je zwei Hochleistungsladepunkte mit dem etablierten Schnellladestandard Combined Charging System (CCS) aus dem Pkw-Bereich errichtet. In einer zweiten Phase soll die MCS-Technologie implementiert werden. MCS steht für Megawatt Charging System. Der seit 2018 in der Entwicklung befindliche Ladestecker wird für das Laden mit bis zu 4,5 Megawatt (3.000 Ampere bei 1.250 Volt) Gleichstrom (DC) ausgelegt. Erst dadurch wird das Megawattladen im Schwerlastverkehr möglich.

Denn herkömmliche Schnelllade-Säulen für Autos sind schlichtweg zu langsam. Deren Ladeleistungen liegen im zwei- bis dreistelligen Kilowattbereich. So beginnt das Schnellladen bei 22 Kilowatt Ladeleistung und reicht mittlerweile bis zu 350 kW. Für 100 Kilometer Reichweite dauert dies nur wenige Minuten. Damit ließen sich zwar auch Batterien von Nutzfahrzeugen füllen, aber die Ladezeiten wären zu lang.

Ende 2023 soll der Realbetrieb von HoLa starten. Das Projekt inklusive Fördervolumen hat ein Gesamtbudget von 27 Millionen und läuft bis Ende 2024.

Weniger CO2-Emissionen durch E-Lkw

Große Lkw mit bis zu 40 Tonnen Gewicht tragen die Hauptlast der modernen Logistik. Leider sind sie damit auch eine wesentliche Ursache für den Anstieg der CO2-Emissionen im Verkehrssektor. Elektrifizierte Lastwagen sollen in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zu weniger CO2-Emissionen im Transportsektor leisten. Doch es fehlt derzeit nicht nur an genügend Modellen mit entsprechender Reichweite. Für den Durchbruch der Technologie ist entlang der Haupttransitstrecken und an logistischen Drehkreuzen eine breite Ladeinfrastruktur gefragt. Die Standorte sollten so gewählt sein, dass sie zum Logistiknetz passen und einen optimalen Anschluss für kurze bis längere Stopps im Fern- und Regionalverkehr bieten.

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