17.05.2016 | Stephanie Kunert

„Hallo, Zukunft!“ wirbt für den Berufskraftfahrer

Berufskraftfahrer werden dringend gesucht. Daher werben die Nachwuchsinitiative „Hallo, Zukunft!“ und viele Unternehmen für die Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Letzte Woche öffnete aus diesem Grund der Küchenhersteller nobilia seine Werkstore für 24 Schüler.

Mädels, traut Euch hinters Lenkrad

Die Schüler der neunten Klassen der Realschule in Verl sammeln sich vor dem Eingang des Firmengeländes eines der größten Küchenhersteller Europas. Gespannt sind sie auf den Tag. Die meisten suchen noch eine Lehrstelle für das kommende Ausbildungsjahr. Gerade für die Jungs ist der Job als Berufskraftfahrer mehr als spannend. Aber Mädels, traut Euch auch! „Klar würden wir auch Frauen als Berufskraftfahrer einstellen. Aber bisher gab es keine Bewerberin“, sagt Bastian Sommer von der Personalabteilung von nobilia. Was einen Auszubildenden zum Berufskraftfahrer erwartet, wissen die Schüler noch nicht so genau. Deswegen sind sie heute hier. Nobilia und die Nachwuchsinitiative „Hallo, Zukunft!“ werden ihnen einen Tag lang zeigen, worauf es ankommt.

Begrüßung der 24 Schüler vor dem Eingang von nobilia

„Hallo, Zukunft!“ und nobilia begrüßen 24 Schüler der Realschule Verl

Nobilia bildet Berufskraftfahrer selbst aus

Doch zunächst einmal geht es rein in den Betrieb. Nobilia produziert in ihren zwei Produktionsstätten im ostwestfälischen Verl 2900 Küchen pro Tag. Diese müssen natürlich auch zum Kunden. Das übernimmt der werkseigene Fuhrpark. 320 Berufskraftfahrer arbeiten dort. Sie sind speziell für den Möbeltransport ausgebildet. Mit den 150 Lkw und den 590 Aufliegern liefern die Fahrer jährlich ein Frachtvolumen von über 2,2 Millionen Kubikmetern in Deutschland und Europa aus. Für ihre Lkw-Flotte sucht nobilia Nachwuchs und bildet seine Berufskraftfahrer selbst aus.

Für das Ausbildungsjahr 2016 ist noch ein Platz zu haben. Auf der Homepage gibt es mehr Informationen. Doch zurück in die Produktionshalle in Verl. Die 24 Schüler haben viel über Küchenschränke, Verschraubungen und Produktionsstraßen gehört. Jetzt kommen sie zu dem Ort, der den zukünftigen Berufskraftfahrer am meisten interessiert: die Verladestation. Wie viele Küchen passen in einen Lkw (übrigens bis zu 15 Stück), wie kommen sie in den Laderaum, was muss der Fahrer selbst laden? Es gibt viele Fragen von den Schülern. Sebastian Schlag von nobilia beantwortet sie alle bei der Werksführung.

Werksführung bei nobilia

Spannend für zukünftige Berufskraftfahrer: Bei der Führung durch das Werk von nobilia wird den Schülern auch die Verladestation erklärt

Anforderungen an Azubis erklärt

Nach der Mittagspause übernimmt Bastian Sommer von der Personalabteilung. Er erklärt den Schülern, was nobilia von ihren zukünftigen Azubis erwartet. „Wer sich bei uns bewirbt, sollte als schulische Voraussetzung mindestens den Hauptschulabschluss mitbringen. Ansonsten ist uns wichtig, dass der Bewerber Verantwortung übernehmen kann und freundlich ist zu seinen Kollegen und natürlich zum Kunden. Was aber auch dazu gehört: körperliche Belastbarkeit. Der Job als Berufskraftfahrer ist harte, körperliche Arbeit“, sagt Bastian Sommer. Die Auszubildenden durchlaufen ein straffes Lehrprogramm bei nobilia. Sie lernen nicht nur, wie sie Fahrzeuge bewegen und warten. Auch der fachgerechte Umgang mit dem Transportgut steht auf dem Lehrplan: Wie werden die Küchen pünktlich und sicher transportiert und beim Kunden fachgerecht abgeladen? Dass der Erwerb des Führerscheins zur Ausbildung des Berufskraftfahrers gehört und von nobilia finanziert wird, „ist doch selbstverständlich“, meint Sommer.

Fragerunde mit einem aktuellen Azubi zum Berufskraftfahrer

Das kann Marvin bestätigen. Er ist Azubi zum Berufskraftfahrer im dritten Lehrjahr bei nobilia. Zusammen mit anderen Auszubildenden stellt er sich den Fragen der Schüler und erzählt aus seinem Berufsalltag. „Inzwischen habe ich den Führerschein und darf selbst den Lkw steuern.“ Aber beim Fahren alleine bleibt es nicht? „Nein, wir müssen natürlich unsere Küchen beim Kunden auch abladen. Das schwerste Teil, das wir derzeit im Sortiment haben, ist ein 1,20 Meter langer Unterschrank. Der hat bestimmt seine 50 Kilo.“

Was er an seinem Beruf nicht mag, wird er auch gefragt. „Staus“, ist seine klare Antwort. „Die bringen manchmal unsere gesamte Route durcheinander und da kommt es auch schon vor, dass wir draußen bleiben müssen, also im Lkw übernachten.“ Seine Berufsschule absolviert Marvin in zwei sechswöchigen Blöcken im Jahr. Auf dem Lehrplan steht da viel zur Lkw-Technik, zu Vorschriften wie Lenk- und Ruhezeiten und auch zur Lkw-Maut in den verschiedenen europäischen Ländern.

Fragerunde beim Tag der offenen Tür

Marvin ist Azubi zum Berufskraftfahrer und stellt sich den Fragen der Schülergruppe

Rein ins Fahrerhaus

Im zweiten Teil des Infotages geht es an das Objekt der Begierde. Die Schüler dürfen einen Lkw der nobilia-Flotte nicht nur von Nahem bestaunen, sondern auf dem Betriebsgelände bei einer Probefahrt mit „auf dem Bock“ sitzen. „Wir wollen heute den Jugendlichen natürlich auch ein handfestes Gefühl von der Ausbildung zum Berufskraftfahrer vermitteln. Und das geht nun einmal am besten auf dem Lkw“, sagt Bastian Sommer.

Probefahrt auf dem Werksgelände

Highlight beim Tag der offenen Tür: Einige Schüler dürfen mit „auf den Bock“ zur Probefahrt

Ob sich die Jugendlichen letztendlich für eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer entscheiden, wissen wir natürlich nicht. Zu hoffen ist es aber. Denn es herrscht akuter Nachwuchsmangel in der Logistikbranche. Katrin Geißler-Schmidt, Verlagsleiterin der Springer Fachmedien München GmbH, sagte in einem Beitrag auf dem Toll Collect-Blog: „Unserem Land, dem Export- und Logistik-Weltmeister, gehen die Fachkräfte aus. Der Transport- und Logistikbranche fehlen Fahrer, Speditionskaufleute und Lagerspezialisten.“ Aus dem Grund hat der Verlag Heinrich Vogel, der dem Verlag Springer Fachmedien angehört, die Nachwuchsinitiative „Hallo, Zukunft!“ ins Leben gerufen. Diese unterstützt Toll Collect bereits seit 2013. Das gemeinsame Ziel ist klar: qualifizierten Nachwuchs für die Logistikbranche finden. Und das für alle Zweige der Logistik vom Lageristen über den Disponenten bis zum Berufskraftfahrer.

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