20.12.2013 | Claudia Steen

Das Maut-ABC: Wie funktioniert eine Kontrollbrücke?

Dass auf deutschen Straßen eine Maut erhoben wird, wissen die meisten. Auch, dass sie nicht für Pkw, sondern ausschließlich für Lkw gilt. Wozu aber die großen Brücken gut sind, die seit der Mauteinführung auf den deutschen Autobahnen stehen, und wie sie funktionieren, das wissen die wenigsten. 

Siegfried Klar von Toll Collect will Licht in dieses Dunkel bringen. Besucherführungen und Maut-Touren sind seine Spezialität. Seit vielen Jahren ist er der Experte, wenn es darum geht Interessierten zu erklären, wie das mit der Maut eigentlich funktioniert – und natürlich auch, welche Aufgaben eine Kontrollbrücke hat.

Auf einer Demo-Tour gibt es Einblicke in das Mautsystem

Am besten lässt sich das Thema während einer Demo-Tour vermitteln, findet Klar. In einem speziell ausgestatteten Kleinbus, der mit einer On-Board Unit (OBU) versehen ist, geht es auf die Stadtautobahn Berlins. „Dass beim Durchfahren der Brücken den OBUs Maut abgebucht wird, ist ein leider weitverbreiteter Irrglaube“, seufzt Klar. Die Brücken haben aber – wie ihr Name schon sagt – nur eine einzige Aufgabe: die Kontrolle.

„Wer hat die Maut gezahlt und wer nicht?“, diese und keine andere Frage stellt sich die Maut-Kontrollbrücke jeden Tag aufs Neue. Zur Beantwortung dieser Frage erhebt die Kontrollbrücke Daten, die so sparsam sind, dass sie ausschließlich dieser einen Aufgabe gerecht werden können. „Datensparsamkeit stand für Toll Collect während der Entwicklung des Maut-Kontrollsystems nämlich ganz oben auf der Liste“, betont Klar. Und da steht sie noch immer.

Ablauf einer Mautkontrolle bei einer Kontrollbrücke

Den Ablauf einer Mautkontrolle beschreibt Klar so: „Grundsätzlich wird erst einmal jedes Fahrzeug, das unter einer Maut-Kontrollbrücke durchfährt, gescannt. Die Kontrollbrücke erfasst die Größe und Achszahl, außerdem werden das Kennzeichen und eine Schrägansicht des Fahrzeugs fotografiert.“ Die Kontrollbrücke prüft zuallererst, ob es sich hier aufgrund der Abmessungen überhaupt um ein mautpflichtiges Gefährt handeln könnte. Alle Pkw werden sofort aussortiert, ebenso weitere Fahrzeuge, die mautbefreit sind. Es folgt in solchen Fällen also keine Speicherung oder Weiterverwendung von Daten.

„Erst wenn die Kontrollbrücke für einen Lkw Mautpflicht annimmt, kommt es zur Überprüfung, ob für diesen die Maut entrichtet wurde“, betont Klar. Dazu versucht die Kontrollbrücke zeitgleich zum Scannen des Lkws Kontakt zur On-Board Unit aufzunehmen. Diese schnelle Überprüfung macht Sinn, da die OBU 90 Prozent der Mautgebühren entrichtet. Aktuell sind rund 780.000 OBUs installiert. Mit Hilfe der Daten aus der OBU (Kennzeichen, Kundennummer, Achszahl, Schadstoffklasse und die zuletzt befahrene, mautpflichtige Strecke) kann die Brücke schließlich prüfen, ob alles in Ordnung ist.

„Hat der Fahrer für den Lkw die Maut entrichtet, werden alle aufgenommenen Daten sofort automatisch gelöscht. Und der Fall ist erledigt“, so Klar. Besteht hingegen ein Zweifel hinsichtlich der korrekten Entrichtung der Maut, leitet die Kontrollbrücke die Daten verschlüsselt an das Kontrollzentrum von Toll Collect. Stellt man dort fest, dass ein Mautvergehen vorliegt, leitet Toll Collect gegen den sogenannten Mautpreller ein Nacherhebungsverfahren ein. Die Brücke hingegen, und damit schließt Siegfried Klar die Rundfahrt ab, hat mit der Übermittlung dieser Daten ihre Aufgabe der Kontrolle voll erfüllt.

Einen guten Einblick bietet auch das Video zum Thema:

Kommentare (1)

Arno Nym
05.07.2019 11:08

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Schade, wäre interessant gewesen.