21.04.2020 | Stephanie Kunert

Einigkeit bei Lkw und Pkw: Erdgasantrieb der wahre Umweltfreund

Scania setzt auf Erdgasantrieb mit LNG. Und das vor allem, weil die Fahrzeuge mit verflüssigtem Erdgas – in Englisch: Liquid Natural Gas, kurz LNG – bei den Spediteuren immer weiter an Bedeutung gewönnen.


Staatliche Förderung, die derzeitige Mautbefreiung, günstige Betriebskosten und eine bessere Umweltbilanz machen die kürzeren Serviceintervalle, die ein LNG-Scania benötigt, schnell wieder wett, sagt das Unternehmen. „Ein Scania mit Gasmotor stößt gegenüber einem vergleichbaren Diesel-Lkw bis zu 15 Prozent weniger Kohlendioxid aus. Mit Biogas kann der Wert auf bis zu 90 Prozent klettern“, erklärt Stefan Ziegert, Produktmanager für nachhaltige Transportlösungen bei Scania Deutschland Österreich.

Versorgung muss gesichert sein

Doch wie sieht es mit dem Tankstellennetz für LNG-Lkw aus? Dicht ist es nicht, aber es entwickelt sich. So plant Shell das Lkw-Tankstellennetz für LNG auf 35 bis 40 Stationen auszubauen und setzt dabei auf Bio-LNG. Deutlich dichter ist das Netz für Erdgas-Pkw.

Das Tankstellennetz muss weiter ausgebaut werden. Foto: ampnet

LNG- und CNG-Fahrzeuge haben in jüngster Vergangenheit in Sachen Klimaschutz nochmals an Fahrt gewonnen. So haben sowohl die Anteile von regenerativem Biomethan am CNG-Kraftstoff an deutschen Gas-Tankstellen als auch die Anzahl der CNG-Stationen, die zu 100 Prozent regeneratives Methan als Kraftstoff anbieten, sich beinahe verdoppelt. „Betrug der regenerative Anteil traditionell bis ins vergangene Jahr zwischen 20 und 25 Prozent, so werden wir in Kürze voraussichtlich bei über 50 Prozent Biomethan-Anteil im Kraftstoff landen“, stellt der Präsident des CNG-Clubs, Miklos Graf Dezasse, fest. Wer einen aktiven Beitrag gegen die Erderwärmung leisten wolle, komme an CNG-Fahrzeugen nicht vorbei. „Dies gilt für Pkw ebenso wie für Transporter, Lkw und Busse“, so Dezasse.

Erdgasantrieb umweltfreundlicher als Strom?!

Der Club-Präsident holt auch zum Schlag gegen Wettbewerber aus: „Die CNG-Mobilität liegt hinsichtlich der regenerativen Erzeugung und CO2-Einsparung auch deutlich vor der staatlich massiv geförderten Elektromobilität.“ Obwohl das Elektroauto auf dem Papier mit null Emissionen geführt werde, liege der erneuerbare Anteil beim Strom heute bei gerade einmal zirka 40 Prozent. „Doch der erneuerbare Anteil bei CNG-Fahrzeugen tendiert derzeit schon zu 50 Prozent – Tendenz steigend“, erläutert der Graf Dezasse. Gegenüber einem mit Benzin oder Diesel betriebenen Fahrzeug sorgt ein CNG-Fahrzeug, das mit Biomethan fährt, für eine CO2-Einsparung von 80 bis 95 Prozent.

Erdgasantrieb auch bei Pkw am effektivsten

Autos im Vergleich: Wie weit komme ich mit 10 Euro? Grafik: ampnet/Zukunft Erdgas

VDA: Nur E-Fuels können schnell zum Klimaschutz beitragen

Auch die Automobilindustrie spricht sich für den Gasantrieb aus.

 

Hildegard Müller VDA-Präsidentin

„Wasserstoff und regenerative Kraftstoffe können die Elektromobilität in bestimmten Bereichen sinnvoll ergänzen. Entsprechende Kraftstoffe sind zudem die einzige Möglichkeit, den CO2-Austoß des derzeitigen Kraftfahrzeugbestands zu senken und damit schnell wirksam zum Klimaschutz beizutragen.“

Der VDA sieht die Politik ebenso wie die betroffenen Branchen in der Pflicht, schon jetzt – parallel zum Hochlaufen der Elektromobilität – Weichen zu stellen, „damit nachhaltige, regenerative Kraftstoffe rechtzeitig zur Verfügung stehen“. Vor allem sollte die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) der EU mit Ziel einer Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien möglichst ehrgeizig umgesetzt werden.

ADAC empfiehlt Erdgas

Auch aus Sicht des Automobilclubs ADAC ist Erdgas die ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative zu konventionell betriebenen Verbrennungsmotoren und zu Elektro-Autos. CNG-Fahrzeuge erzielen regelmäßig Bestnoten beim „ADAC-Ecotest“.

Treibhausgas-Bilanz eines Autolebens. Quelle: ADAC

CNG steht sofort zur Verfügung, verbrennt Erdgas sauberer als Benzin oder Diesel und verursacht bei gleicher Leistung weniger CO2-Emissionen. Im CNG-Betrieb entstehen dank der sauberen Verbrennung kaum Schadstoffe, und die Euro 6d-Grenzwerte können so problemlos eingehalten werden, betont der ADAC in seinen Tests. Betrachtet man die reinen Kraftstoffkosten, fährt man mit Erdgas deutlich günstiger als mit Benzin. Zudem ist Erdgas als alternativer Kraftstoff wegen seiner Vorteile beim CO2-Ausstoß bis Ende 2026 steuerbegünstigt. (ampnet/Sm)

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