21.12.2020 | Stephanie Kunert

E-Lkw: Es fehlen 1200 Lkw-Ladesäulen

Um die CO2-Ziele der EU für Nutzfahrzeuge zu erfüllen, müsste entlang der Bundesautobahnen bis 2030 ein Netz von 1200 Lademöglichkeiten für E-Lkw entstehen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts. Sie wurde im Auftrag des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) erstellt.

Das Netz muss dichter sein

Das Fraunhofer-Institut hat errechnet, dass zu einer ausreichenden Stromversorgung schwerer Nutzfahrzeuge Schnell-Ladestandorte im Abstand von etwa 50 Kilometern erforderlich sind. Daraus ergeben sich 260 Stationen, die wiederum jeweils mit mehreren Ladepunkten – vergleichbar den herkömmlichen Zapfsäulen – ausgestattet sein müssen.

Um den Anteil der E-Lkw an der Gesamtflotte schwerer Nutzfahrzeuge auf etwa fünf Prozent zu steigern, braucht das Straßennetz laut Studie 630 einzelne Ladepunkte, um eine ausreichende Versorgung der Fahrzeuge sicherzustellen. Für einen Anteil von 15 Prozent elektrifizierter Nutzfahrzeuge seien etwa 1200 Ladepunkte entlang der Autobahnen notwendig. Weitere Lademöglichkeiten entlang der Fernstraßen müssen hinzukommen.

Hersteller kündigen neue E-Lkw an

Weißer Scania Lkw tankt an einer Stromladesäule

Scania setzt ab kommenden Jahr auf Batteriebetrieb. Foto: ampnet

Die Flottengrenzwerte der EU für schwere Nutzfahrzeuge erfordern eine Reduzierung der mittleren CO2-Emissionen bei den Hersteller-Flotten bis 2030 um 30 Prozent gegenüber 2019. Dieses Ziel ist nur durch den Einsatz emissionsarmer E-Antriebe im schweren Straßengüterverkehr zu erreichen, betont der VDA. Alle großen Hersteller haben neue batterie-elektrische Lkw-Modelle für die kommenden Jahre angekündigt.

Laden der E-Lkw in der Pause

Aufgrund der hohen Tagesfahrleistungen vieler schwerer Lkw ist regelmäßiges Laden der Fahrzeuge im öffentlichen Raum, wie beispielsweise an Autobahnen, notwendig. Die Experten gehen bei ihren Szenarien davon aus, dass etwa die Hälfte des Strombedarfs für E-Lkw an den Autobahnen, also öffentlichen Standorten, geladen werden könnte. Bei diesen Überlegungen ist eine mittlere Wartezeit von maximal fünf Minuten bis zum Freiwerden eines Stromanschlusses zugrunde gelegt. Ziel müsse es sein, die Fahrzeuge innerhalb der gesetzlichen Pausenzeiten von 45 Minuten zwischen zwei Fahreinsätzen ausreichend zu laden. Dafür ist der rasche Aufbau eines Hochleistungs-Ladesystems mit 350 kW nötig.

Schneller Start der Maßnahmen

Die Gesamtkosten für den Ausbau eines solchen Systems schätzt das Fraunhofer Institut auf 200 bis 500 Millionen Euro, je nach Dichte des Ladenetzes, der Marktdurchdringung der Elektro-Lkw und den Kostensenkungen bei der Infrastruktur. Aufgrund der langen Vorlaufzeiten drängen die Experten auf einen schnellen Start der Errichtung all dieser Standorte.

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