03.07.2019 | Stephanie Kunert

Digitalisierung in der Logistik – live auf der transport logistic

Digitalisierung in der Logistik ist nicht erst seit der diesjährigen Leitmesse transport logistic in München ein bestimmendes Thema in der Branche. Auf der Messe konnte man sich einen Eindruck verschaffen, auf welchen Gebieten die Digitalisierung in der Logistik inzwischen ihren Einsatz finden kann. Die Blogredaktion gibt einen Überblick.

Neben der Digitalisierung war der Fachkräftemangel in der Logistik das allbestimmende Thema. Auf der Messe konnten die Besucher sehen: Diese Themen laufen nicht nebeneinander, ganz im Gegenteil. Die Digitalisierung kann die Unternehmen im Kampf gegen den zunehmenden Fachkräftemangel, vor allem im Bereich der Lkw-Fahrer und der Disponenten, unterstützen.

Lkw-Fahrer bleiben fester Bestandteil der Lieferketten

Denkt man an Digitalisierung in der Logistik und Künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit Lkw-Fahren, ist man schnell beim autonomen Fahren. Hersteller arbeiten zurzeit mit Hochdruck an Assistenz- und Steuersystemen, um autonome Fahrzeuge in den kommenden Jahren zur Serienreife zu führen. Mittelfristig werden Assistenzsysteme die Fahrzeuge auf Autobahnen steuern und langfristig werden viele weitere Funktionen die Arbeit hinter dem Lenkrad vereinfachen. „Lkw-Fahrer werden aber noch auf lange Sicht fester Bestandteil der Lieferketten bleiben“, so Wolfgang Inninger, Leiter Projektzentrum Verkehr, Mobilität und Umwelt beim Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik IML. „Ein hohes Einsparpotenzial bieten autonom fahrende Lkw auf Betriebshöfen.“ Wenn es gelänge, die auf Werksgeländen verbrachte Zeit als Pausenzeiten oder Ruhezeiten für die Lkw-Fahrer zu nutzen, würde sich die effektive Fahrzeit des Lkw-Fahrers optimieren lassen.

Digitalisierung in der Logistik auch bei Fraunhofer

Das Fraunhofer Institut war auf der Messe transport logistic vertreten. Foto: transport logistic

Diese Ansicht unterstreicht auch eine Studie der Forschungsvereinigung Automobiltechnik FAT im Verband der Automobilindustrie VDA. Diese sieht weiteres wirtschaftliches Potential beispielsweise darin, dass der Fahrer direkt nach Ankunft ein anderes, bereits beladenes Fahrzeug übernimmt und sich sofort auf die Rückfahrt begibt. Aber auch für dieses Szenario gilt es noch einige organisatorische Herausforderungen zu lösen.

Digitalisierung rund um den Trailer

Unser Kollege Martin Goldmann hat sich auf der Messe außerdem angeschaut, welche Neuerungen es im Bereich des Trailers gibt und wie diese Assistenzsysteme den Fahrer unterstützen können. Wie straff ist der Spanngurt, welche Temperatur hat das Ladegut auf der Paletten und ist das Türschloss am Trailer zu? All diese und viele weitere Fragen können die digitalen Helfern zukünftig schnell und zuverlässig beantworten. Der Film erklärt es.

Algorithmen lernen das Verhalten von Disponenten

Auch im Bereich der Transportmanagementsysteme finden sich Beispiele für die Digitalisierung in der Logistik. Lösungen wie Opheo von der initions AG verfügen über eine künstliche Planungsintelligenz, die Vorhersagen über mögliche Transportverzögerungen in der Zukunft erlauben. Ein weiteres Beispiel liefert das Software- und Beratungshaus Soloplan. Das Unternehmen hat sein Transportmanagementsystem CarLo mit einem leistungsfähigen Algorithmus ausgestattet, der das Verhalten von Disponenten „lernen“ kann. Auf dieser Basis erstellt die Lösung ein Modell, mit dem künftige Touren unter Berücksichtigung der erlernten Regeln selbständig verplant werden.

Machine Learning macht die Transportplanung schneller, weniger fehleranfällig und effektiver. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass das Wissen bei einem Mitarbeiterwechsel nicht mehr verloren geht. Auch ein neuer Disponent wird die Touren auf die gleiche Art und Weise wie ein langjähriger Mitarbeiter verplanen können. Denn die Dispositionssoftware hat das Verhalten auf Grundlage der Trainingsdaten erlernt und kann so wertvolle Unterstützung bieten.

Künstliche Intelligenz führt zu automatisierter, hochflexibler Logistik

Für die Logistikbranche bietet Künstliche Intelligenz aber weit mehr als nur eine reine Optimierung des bestehenden Betriebs. Lieferketten werden durch Künstliche Intelligenz steuerbarer und transparenter. „Künstliche Intelligenz ermöglicht vorausschauendes Handeln, wie zum Beispiel in den Bereichen Kapazitätsmanagement, Routenplanung, Netzwerkplanung und Risikomanagement“, erklärt Sara Van Gelder, die am Brüsseler Flughafen die Entwicklung des Frachtgeschäfts verantwortet. Zudem können „Angebote genauer auf die Bedürfnisse des Kunden ausgerichtet werden, während die Logistik zum integrierten Bestandteil einer automatisierten und hochflexiblen industriellen Produktion und des Handels wird“, betont Tim Schneider, der beim Bundesverband Spedition und Logistik DSLV die Themen Prozesse, Standards und Digitalisierung verantwortet. „Es gilt, Daten zu teilen und als wertvolle Informationsquelle zu verstehen“, so Schneider weiter. Dabei spiele die Informationsbereitstellung in Echtzeit eine entscheidende Rolle.

Virtual Reality bei DHL

Keine Grenzen gesetzt: Auch in der Lagerwirtschaft findet die neue digitale Welt ihren Platz. Hier zeigt DHL ihre Virtual Reality. Foto: transport logistic

Zukunftsmusik ist die Digitalisierung in der Logistik schon lange nicht mehr. Die Branche befindet sich mittendrin. Nun gilt es, die Potentiale voll auszuschöpfen.

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