23.04.2018 | Anja Heckendorf

Digitale Logistik auf dem Vormarsch: Selbstfahrende Lkw & Co.

Der amerikanische Dienstleister Uber testet den Transport von Waren mit selbstfahrenden Lkw. Auch in Deutschland ist die digitale Logistik ein Thema für die Branche. Der Berufskraftfahrer wird dadurch aber nicht ersetzt. Neue Anwendungen sollen seinen Arbeitsalltag vereinfachen.

Monotone Streckenführung, immer die gleiche Musik im Radio, gleichaussehende Straßengräben. Wer lange auf Autobahnen unterwegs ist, kann schnell unkonzentriert sein. Berufskraftfahrer könnten sich von diesem Szenario bald verabschieden. In Amerika testet die Technologieabteilung des Dienstleisters Uber gerade den Transport kommerzieller Waren mit selbstfahrenden Lkw, berichtet die Verkehrsrundschau. Komplizierte und herausfordernde Strecken sollen aber nach wie vor von qualifizierten Fahrern ausgeführt werden.

Fachkräftemangel entgegenwirken

Bis zum Jahr 2030 soll der Lkw-Verkehr alleine in Deutschland um knapp 40 Prozent zunehmen. Demgegenüber steht der Fachkräftemangel in der Branche. Die digitale Logistik mit selbstfahrenden Lkw wäre eine gute Möglichkeit diese Mehrbelastung leisten zu können. Amazon hat sich aus diesem Grund bereits das Patent für ein Navigations-Netzwerk für den Betrieb selbstfahrender Fahrzeuge gesichert. Uber lieferte schon 2016 die erste Ware mit einem selbstfahrenden Lkw aus. Außerdem soll die Automatisierung in der Logistikbranche dabei helfen die Waren schneller, effizienter und risikoärmer ans Ziel zu bringen.

Digitale Logistik in Deutschland

In Hessen düsen bereits autonome Kraftfahrzeuge über die Autobahn. Der Hersteller Scania testet dort den Selbstfahrerbetrieb, berichtet der Spiegel. Die ersten fahrerlosen Lkw sind bereits auf abgegrenzten Privatgeländen wie Flughäfen oder Frachtterminals im Einsatz. Wo gesetzliche Regelungen nicht nötig sind, kann die digitale Logistik sich entfalten.

Mit Platooning in die Zukunft

Was futuristisch klingt, wirkt entlastend für Fahrer, Spedition und Umwelt. Platooning ist ein Fahrzeug-System, bei dem mindestens zwei Lkw im Autobahnverkehr in geringem Abstand hintereinander fahren, erklärt das Industriemagazin. Möglich ist dies durch technische Fahrassistenz- und Steuersysteme. In der laufenden Testphase setzt das Forschungsprojekt aus DB Schenker, MAN und der Hochschule Fresenius nun auch reale Berufskraftfahrer ein. Deren Bewertungen sollen zur Verbesserung des Systems beitragen. Der Fahrer soll also keineswegs ersetzt werden, sondern lediglich entlastet.

Flotte von selbstständig fahrenden Lkw – so kann die zukunft auf unseren Autobahnen aussehen.

Vernetzte Infrastruktur

Die digitale Logistik geht noch einen Schritt weiter. Lkw sollen sich in der Zukunft nicht nur untereinander, sondern auch mit der Infrastruktur vernetzen. Damit soll sich die Effizienz steigern. Wartezeiten im Stau oder bei der Beladung und Leerfahrten sollen vermeiden oder das Suchen nach einem Parkplatz vereinfacht werden, berichtet die Zeit. In Diskussion sind ebenfalls die Vernetzung zu Behörden oder Ladeterminals, die Teil eines großen Logistikdatennetzes werden könnten. Daimler visiert aus diesem Grund bereits herstellerübergreifende Standards an.

Pannenprävention durch eine App

40.000 Pannen hatte der ADAC alleine im Jahr 2017 zu verzeichnen. Pannen, die man oft hätte verhindern können, hätte man sie rechtzeitig erkannt. Dies soll nun der neue ADAC „Prevention-Service“ leisten können. Seit April steht er unabhängig vom Fahrzeugtyp allen Vertragskunden zur Verfügung. Der ADAC TruckService integriert für diese Zusatzfunktion die digitale Ferndiagnose von Lkw in seinen Standardfahrzeugschutz und in die Mobilitätsdienstleistungen für Nutzfahrzeugindustrie und Flottenkunden, berichtet der Trucker. Mit der Ferndiagnose wurden im Testlauf bereits gute Erfahrungen gesammelt. Die Reparaturzeiten konnten um 25 Prozent gesenkt, Ausfälle, Verschleiß und Instandhaltungskosten minimiert werden. Besonders gut für Spedition und Fahrer: Der ADAC gibt, falls notwendig, konkrete Handlungsempfehlungen und fordert so beispielsweise den Fahrer rechtzeitig dazu auf, stehen zu bleiben und den mobilen Service anzurufen.

Die digitale Logistik birgt somit wesentliche Vorteile, die nicht nur die Preise für den Endnutzer senken, sondern auch die Sicherheit und den Komfort des Berufskraftfahrers und dessen Auftraggebers vergrößern.

Toll Collect geht mit der Zeit

Im Februar hat die neue Toll Collect-App das Licht der Welt erblickt. Sie steht in allen bekannten App Stores zum Download zur Verfügung. Über die Applikation kann der Lkw-Fahrer seine Strecke manuell einbuchen. Daneben ist seit Dezember auch die Einbuchung über das Internet möglich. Die Mautstellen-Terminals bestehen aber weiter. Mit der Digitalisierung wird so auch das Toll Collect Mautsystem noch einfacher und nutzerfreundlicher.

Auch die mobile Einbuchung ins Mautsystem gehört zur digitale Logistik

Mit der Toll Collect-App ist eine Einbuchung jederzeit aus dem parkenden Lkw möglich.

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