Lkw auf der Straße, im Hintergrund geht die Sonne unter oder auf.
23.04.2021 | Oliver Jesgulke

Das neue EU-Reifenlabel kommt – was Fahrer*innen und Speditionen jetzt wissen müssen

Das EU-Reifenlabel ist seit 2012 Pflicht für neue Pneus von Autos, leichten Nutzfahrzeugen und schweren Lkw. Ab 1. Mai 2021 gelten neue Vorgaben für die praktische Entscheidungshilfe.

Das EU-Reifenlabel wurde einst eingeführt, um Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit im Straßen- und Transitverkehr durch die Förderung kraftstoffsparender, sicherer und leiser Reifen zu stärken. Immerhin entfallen 20 bis 30 Prozent der Emissionen eines Lkw auf die Reifen. Die Kennzeichnung ermöglicht bislang den Vergleich anhand der drei Kriterien Nasshaftung – also wie gut bremsen Räder auf nassem Boden – und Rollwiderstand – einer der fünf Kräfte, die überwunden werden muss, damit sich ein Fahrzeug bewegt – sowie dem Rollgeräusch – also wie laut oder leise ein Reifen ist. Mit der überarbeiteten Version möchte die Europäische Kommission bei einer fundierten Kaufentscheidung helfen und hat deshalb die Informationen zu Kraftstoffeffizienz, Sicherheitseigenschaften und Rollgeräusch eines Pneus transparenter gemacht. Ab dem 1. Mai 2021 informiert das EU-Reifenlabel Fahrer*innen und Spediteur*innen dazu noch umfassender über bestimmte Parameter.

Was ist alles neu beim EU-Reifenlabel?

Für Reifen von Nutzfahrzeugen der Klasse C2 und C3 müssen sowohl der Hersteller als auch die Händler den Kunden vor dem Verkauf offizielle Labeldaten und ein Produktinformationsblatt zur Verfügung stellen. Künftig sind die Daten in der EU-Produktdatenbank (European Product Registry for Energy Labelling) registriert und für Öffentlichkeit und Aufsichtsbehörden einsehbar. Die Informationen sind über einen QR-Code am oberen rechten Rand des Reifenlabels abrufbar. Hier steht ein detailliertes Datenblatt zum Download zur Verfügung, das zusätzliche Angaben unter anderem zum Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex bei Einfach- oder Zwillingsbereifung gibt. Die Reifentypkennung bzw. Artikelnummer wird zusätzlich zur Herstellerangabe aufgedruckt.

Das neue EU-Reifenlabel enthält u. a. einen QR-Code, die Reifentypkennung und das Schneegriff-Piktogramm.

Das neue EU-Reifenlabel, Bild: Continental AG

Um Reifen je nach Kraftstoffeffizienz zu kategorisieren, wurden wie beim bekannten Energielabel für Haushaltsgeräte, die Werte für Rollwiderstand und Nasshaftung mit den Kategorien von A (größte Effizienz) bis E (geringste Effizienz) neu angelegt. Die Klassen F und G entfallen in Zukunft. Damit wird das Label übersichtlicher und verständlich. Zwischen zwei Klassen verringert sich zum Beispiel der Bremsweg von einem Lkw, der bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h auf 20 km/h abbremst, um 3,50 Meter. Ein Lkw mit Reifen der Klasse C verbraucht im Vergleich mit Reifen der Klasse B ungefähr 0,6 Liter Kraftstoff mehr pro 100 Kilometer. Die Skala für Geräusch-Emissionen wird nicht mehr durch Wellen dargestellt, sondern durch die Kategorien A, B und C eingestuft. Der Dezibel-Wert wird weiterhin angegeben. Neu hinzu gekommen für C2- und C3-Reifen ist das optionale Schneeflockensymbol, das das Fahrverhalten unter winterlichen Bedingungen bei Schnee kategorisiert.

Weitere Quellen hinzuziehen

Dennoch sollte das EU-Reifenlabel nicht allein kaufentscheidend sein. Expert*innen weisen darauf hin, dass die Kriterien ein nicht ausreichendes Bild für die Wahl darstellen. So gibt es weiterhin keine Auskünfte über die zu erwartende Lebensdauer – neben Preis und Rollwiderstand das wichtigste Kaufkriterium für Spediteur*innen und Fuhrparkmanager*innen. Verschiedene Fachzeitschriften informieren regelmäßig über unabhängige Tests. Darüber hinaus empfiehlt sich eine Beratung beim Händler.

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