Lkw auf der Autobahn
28.07.2020 | Oliver Jesgulke

Corona-Konjunkturpaket: Investitionsschub für die Transportbranche

Angesichts der tiefgreifenden Folgen der Corona-Pandemie auf die deutsche Wirtschaft hat sich die Bundesregierung im Juni auf ein Konjunkturpaket in Höhe von rund 130 Milliarden Euro geeinigt.

Das Konjunktur- und Zukunftspaket besteht aus 57 Einzelmaßnahmen, von denen unter anderem auch die Transport- und Logistikunternehmen profitieren sollen.

So will die Bundesregierung etwa in nachhaltige Mobilität investieren. Außerdem setzt sie sich bei der EU-Kommission dafür ein, dass ein befristetes europaweites Flottenerneuerungsprogramm 2020/2021 für schwere Nutzfahrzeuge aufgelegt wird. Der Plan sieht vor, beim Austausch von Euro-5-Lkw einen staatlichen Zuschuss von 15.000 Euro zu zahlen. Auch auf nationaler Ebene soll es weitere Kaufanreize für Nutzfahrzeuge geben. Der Bund will dazu ein „Bus-und Lkw-Flotten-Modernisierungs-Programm“ zur Förderung alternativer Antriebe auf den Weg bringen.

Das Programm soll privaten und kommunalen Betreibern gleichermaßen offen stehen. 1,2 Milliarden Euro will der Bund hierfür mobilisieren. Zudem wird das geplante Flottenaustauschprogramm für Handwerker und KMU für E-Nutzfahrzeuge bis 7,5 Tonnen zeitnah umgesetzt. Flottenbetreiber profitieren bei Investitionsvorhaben auch von der vorübergehenden Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für Abnutzung (AfA) für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Beispielsweise kauft ein Transportunternehmer einen neuen Lkw für 100.000 Euro. Die Nutzungsdauer für das Fahrzeug beträgt acht Jahre. Würde er im ersten Jahr nur linear abschreiben, dann könnte er nur 12.500 Euro absetzen. Schreibt er den Lkw dagegen degressiv ab, dann darf er im ersten Jahr 25 Prozent vom Kaufpreis ansetzen.

Impulse für den brachliegenden Nutzfahrzeugmarkt

Der Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ), der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sowie der Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik (BWVL) bewerten das beschlossene Konjunkturpaket unisono positiv. „Die Branche wird davon profitieren“, so die Geschäftsführer einhellig. Weiterhin herrscht aber Unklarheit, ob es Zuschüsse auch für Trailer und Komponenten geben wird. Hersteller und der BGL appellieren bereits an die Regierung, die CO2-Effizienz des gesamten Fahrzeugs und nicht nur der Zugmaschine in den Blick zu nehmen. Von Leichtbau über Aerodynamik, Reifendruckkontrolle bis Telematik würden schließlich viele Potenziale bei Anhängern und Aufbauten liegen. Die Hersteller und Zulieferer haben jedenfalls solche Impulse dringend nötig. Der europäische Nutzfahrzeugmarkt ist wegen der Corona-Krise eingebrochen.

Im April waren die Zulassungszahlen um rund zwei Drittel abgesackt. Denn aufgrund der strikten Maßnahmen gegen das Virus mussten etliche Händler den ganzen Monat über schließen. Die Produktion kam teilweise zum Erliegen. In den ersten fünf Monaten ist der Umsatz für neue Lkw nach Angaben des zuständigen Branchenverbands ACEA insgesamt um fast 40 Prozent zurückgegangen. So sind in diesen Zeiten Händler umso mehr angehalten, über flexible Rückgabezeiten und alternative Nutzungsmodelle für Kunden nachzudenken, so wie es auch im Pkw-Bereich üblich ist. Der Gebrauchtmarkt könnte von den befürchteten Unternehmensinsolvenzen sogar kurzfristig profitieren, wenn der Markt mit jungen Lkw überschwemmt wird.

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