Berufskraftfahrer bei der Arbeit
07.12.2016 | Stephanie Kunert

Berufskraftfahrer – Arbeitsbedingungen verbessern sich

Es entscheiden sich wieder mehr Menschen dazu, als Berufskraftfahrer zu arbeiten. Und das aus gutem Grund: Die Arbeitsbedingungen werden langsam besser. Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) hat die Arbeitsmarktsituation von Berufskraftfahrern näher unter die Lupe genommen.

Ende des Jahres 2015 waren fast 550.000 Menschen als Berufskraftfahrer beschäftigt – das bedeutet eine Steigerung von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch die Zahlen zeigen auch: Es sitzen noch immer wenig junge Menschen hinter dem Lkw-Lenkrad. Noch immer gibt es zu wenig Schüler und Schülerinnen, die eine Ausbildung zum Lkw-Fahrer machen wollen.

Sicheres Fahren und umfangreiche Weiterbildungen

Zusammenfassend zeigt die BAG-Studie, dass die Wahl, als Berufskraftfahrer zu arbeiten, eine gute sein kann: Denn insgesamt verbessern sich die Arbeitsbedingungen der Lkw-Fahrer. Das Nachwuchsproblem veranlasst laut DEKRA-Arbeitsmarkt-Report 2016, auf den sich das BAG bezieht, die Arbeitgeber dazu, den Fahrern attraktive Zusatzleistungen anzubieten. Die fortschreitende Digitalisierung erleichtert den Arbeitsalltag und macht das Fahren sicherer – auch wenn es unter den Lkw-Fahrern noch keine hundertprozentige Akzeptanz der neuen digitalen Beifahrer gibt. Nicht zuletzt um ihren Angestellten die technische Weiterentwicklung näher zu bringen, investieren die Logistikunternehmer verstärkt in Weiterbildung. Sie bieten neben den obligatorischen Maßnahmen, zu denen sie nach dem Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz verpflichtet sind, mehr unternehmensinterne und themenbezogene Seminare an.

Vergütung spielt eine Rolle

Die tarifliche Vergütung für Lkw-Fahrer stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Laut BAG-Studie konnten reale Lohnsteigerungen verbucht werden. Und auch wenn ein Großteil der Logistikunternehmen nicht tarifgebunden ist, schlägt sich die Steigerung der Vergütung auf die gesamte Branche nieder.

Verdienst BKF Azubi

Das verdienen Auszubildende zum Berufskraftfahrer im Schnitt. Quelle: https://www.bibb.de/dokumente/pdf/a21_dav_Gesamtuebersicht_Ausbildungsverguetungen_2015.pdf

Arbeitgeber gehen verstärkt dazu über, leistungsorientierte Bezahlung anzubieten. Die Parameter, die dabei eine Rolle spielen, sind Pünktlichkeit, geringe Fehlzeiten und wirtschaftliches Fahren. Laut BAG-Studie ist deutlich zu erkennen: Die Logistikunternehmen befinden sich im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Sie versuchen die Fahrer sowohl mit monetären als auch mit nicht-monetären Zusatzleistungen anzuwerben. Dazu zählen Urlaubs- und Weihnachtsgeld, betriebliche Altersvorsorge und Gesundheitschecks.

Trotzdem: Nachwuchsproblem beim Berufskraftfahrer bleibt bestehen

Zum Leidwesen der gesamten Logistikbranche besteht weiterhin ein gravierendes Problem: Es werden immer weniger Auszubildende zum Berufskraftfahrer gefunden. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge zum Berufskraftfahrer geht seit 2013 immer weiter zurück. Für das Jahr 2015 – das in dieser Studie untersucht wurde – erfolgte ein erneuter Rückgang um 1,4 Prozent. Dabei gibt es immer mehr unbesetzte Ausbildungsstellen für den Berufskraftfahrer. Rein rechnerisch kamen 2015 auf einen Bewerber 2,14 Ausbildungsstellen. Positiv ausgedrückt: Wer die Ausbildung zum Berufskraftfahrer machen will, kann sich seinen Arbeitgeber aussuchen.

Das steht für den Auszubildenden zum Berufskraftfahrer auf dem Lehrplan

Das steht für den Auszubildenden zum Berufskraftfahrer auf dem Lehrplan. Quelle: http://www.bgl-ev.de/images/downloads/ausbildung/rahmenlehrplan.pdf

Arbeitgeber haben andere Ansprüche

Doch auch die Arbeitgeber haben gewisse Ansprüche an ihren Nachwuchs. Die Anforderungen an Berufskraftfahrer – ob Azubi oder Profi – haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt.  Soft-Skills wie Engagement, Teamfähigkeit oder Freundlichkeit gegenüber Kollegen und Kunden, aber auch der sichere Umgang mit den neuen Medien stehen nun weit oben im Anforderungsprofil. Dagegen sind sichere Ortskenntnisse oder technisches Geschick nicht mehr so wichtig. Denn dafür gibt es Navigationsgeräte und den Pannenservice. Und eines darf nicht vergessen werden: Arbeitgeber wollen Mitarbeiter, die über ein gutes und sicheres Deutsch verfügen.

Ausbildung und Hallo Zukunft

Wie sich die Ausbildung zum Berufskraftfahrer gestaltet, zeigt die Aktion „Hallo, Zukunft!“ regelmäßig beim Tag der offenen Tür in einer Spedition. Dort können sich Schüler direkt bei einem potentiellen zukünftigen Arbeitgeber über Logistikberufe und die entsprechenden Ausbildungen informieren. Wer nicht bis zum nächsten Tag der offenen Tür im kommenden Jahr warten will, kann sich auch online informieren. „Hallo, Zukunft!“ ist eine Initiative vom Verlag Heinrich Vogel und Toll Collect.

Kommentare (2)

Weiske
09.12.2016 05:05

Ich fahre einen Kippsattel in Berlin /Brandenburg, arbeite jeden Tag 10-12 Stunden und habe ein Gehalt v.1550€ u.ich sehe da in Zukunft keine Verbesserung. Fazit, der Job macht mir Spaß, aber ich kann meine Familie davon bald nicht mehr ernähren.

Schieferstein
11.12.2016 12:32

Ich fahre einen 12 t Hänger Zug. Fahre im internationalen Fernverkehr und bekomme 1300€ netto. Da wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern.