Apps sind zukunftsbringend in der Logistik
13.12.2016 | Stephanie Kunert

Apps: Entscheidender Wettbewerbsfaktor für Logistik

Apps, mobile Applikationen, sind aus dem privaten Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch welche Rolle spielen Business Apps, vor allem in den Bereichen Logistik, Außenwirtschaft und Supply Chain Management?

Dies hat die Studie „Global Trade Management Agenda 2017“ untersucht, die das Softwareunternehmen AEB in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart durchgeführt hat.

Für die Studie wurden 330 Experten aus dem Umfeld Logistik, Außenwirtschaft und Supply Chain Management befragt. Das Ergebnis: Neun von zehn Experten sind der Meinung, dass Business Apps ein entscheidender Wettbewerbsfaktor in Logistik und Außenwirtschaft sind. Und ihre Bedeutung wird weiter zunehmen – das schätzen 87 Prozent der Teilnehmer. „Die Ergebnisse zeigen, dass das Thema hochrelevant ist und erst am Anfang einer dynamischen Entwicklung steht“, betont Prof. Dirk H. Hartel von der DHBW Stuttgart. „In diesem Punkt sind sich die Befragten einig, obwohl Business Apps in vielen Unternehmen noch nicht genutzt werden.“

Trotz geringer Nutzung: Logistik nimmt Vorreiterrolle ein

Tatsächlich gaben nur rund 18 Prozent der Befragten an, Applikationen im Bereich Supply Chain Management, Logistik oder Außenhandel einzusetzen. Weitere 21 Prozent der Studienteilnehmer planen jedoch die Einführung mobiler Anwendungen. Gemeinsam mit den Bereichen Administration, Vertrieb und Marketing gehört die Logistik damit zu den Vorreitern bei der Nutzung von Apps.

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Transparenz (46,9 %) und Flexibilität (46,4 %) sind wesentliche Vorteile von mobilen Anwendungen. Für 30,4 % der Befragten tragen Apps zur Wettbewerbsdifferenzierung bei.

Aktuell kommen Applikationen in der Logistik am häufigsten zur Recherche und Bereitstellung von Fachinformationen zum Einsatz. Zudem sind sie im Transportmanagement relativ weit verbreitet: Mehr als ein Viertel der Befragten nutzt sie für das Transportcontrolling, rund ein Fünftel im Flottenmanagement. Mehr als 20 Prozent der Logistiker verwenden mobile Applikationen im Behältermanagement. In anderen logistischen Anwendungsgebieten – etwa Auftragsmanagement, Personalplanung oder Verladen – sind die mobilen Helfer dagegen deutlich seltener im Einsatz. Für alle Anwendungsgebiete gilt, dass jeweils rund ein Drittel der Befragten zukünftig Apps einsetzen will.

Transparenz und Flexibilität – die wesentlichen Vorteile

Transparenz und Flexibilität sind für nahezu jeden zweiten Befragten wesentliche Vorteile von mobilen Anwendungen. Nur knapp 30 Prozent halten es hingegen für „sehr wahrscheinlich“, dass Apps zur Wettbewerbsdifferenzierung beitragen. Besonders optimistisch blicken die Befragten aus der Geschäftsführung auf das Thema: Diese Gruppe hält es deutlich häufiger für „sehr wahrscheinlich“, dass Business Apps bei der Realisierung der genannten Vorteile helfen. Mitarbeiter ohne Führungsfunktion stehen dem wesentlich skeptischer gegenüber.

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Für die Befragten ist die Integration der App in die unternehmenseigene IT am wichtigsten: 47 % nannte dies als Erfolgsfaktor.

„Die Einschätzung der Geschäftsführung ist dabei nicht nur als strategischer Zweckoptimismus zu beurteilen, sondern fußt häufig auf persönlicher Erfahrung“, sagt Dr. Ulrich Lison, Portfoliomanager und Mitglied der Geschäftsleitung bei AEB, der gemeinsam mit Prof. Dirk H. Hartel die Studie durchgeführt hat. Die oberste Führungsebene nutze Business Apps derzeit am intensivsten.

Apps in der Praxis: Daimler und Volkswagen

Zwei große Lkw-Hersteller haben bereits im September 2016 auf der Nutzfahrzeugmesse IAA ihre Ideen zu Apps in der Logistik vorgestellt. Die Daimler-Telematiktochter Fleetboard präsentierte ihren App-Store. Bei der Vorstellung wurden bereits Prototypen von 14 Anwendungen gezeigt. Die Plattform ist bewusst offen konzipiert, damit Branchenpartner, wie beispielsweise Aufbauhersteller oder auch Entwickler, Anwendungen für den Straßengüterverkehr beisteuern können. Die Apps aus dem Fleetboard-Store können nicht nur in Lkw von Mercedes-Benz, sondern auch in allen Fremdmarken genutzt werden.

Die Applikationen können auf Echtzeit-Daten zugreifen und laufen auf dem Fahrer-Tablet von Fleetboard. Zu den vorgestellten Apps gehörten unter anderem Anwendungen für die Ladungssicherung, die Reifendruckkontrolle, das Abladen von Schüttgut und die Trailer- und Laderaumüberwachung sowie die Parkplatzsuche. Darüber hinaus sind bereits weitere Unternehmen der Logistikbranche an einer Integration in den Store interessiert. Beispielsweise wird Europas größte Transportplattform Timo-Com, auf der täglich bis zu einer halben Million internationale Fracht- und Laderaumangebote eingestellt werden, ihre App künftig auch dort anbieten.

Ein ähnliches Konzept verfolgt Volkswagen Truck & Bus mit MAN und Scania. Ihre Software-Plattform heißt RIO. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine offene Software-Plattform, die über die Cloud alle Telematiksysteme im Logistikgeschäft miteinander verknüpfen kann. Die Plattform ist offen für alle Marken und wurde gemeinsam mit Nutzfahrzeugherstellern und Zulieferern wie Continental entwickelt. Beide Plattformen sollen 2017 auf den Markt kommen.

Lkw-Maut per App

Manuelle Einbuchung künftig per Mautterminal, Internet und App

Manuelle Einbuchung künftig auch per App

Auch die Lkw-Maut in Deutschland kann nach der Einführung der Lkw-Maut auf allen Bundesstraßen 2018 per App bezahlt werden. Toll Collect-Kunden, die das manuelle Verfahren nutzen werden, können zukünftig eine Toll Collect-App auf ihr Smartphone oder Tablet laden. Somit stehen den Lkw-Fahrern und Spediteuren drei Einbuchungsmöglichkeiten – Mautterminal, Interneteinbuchung und mobile App – zur Verfügung. Sie  basieren auf der gleichen Online-Anwendung und sind kompatibel. Kunden können eine Buchung, die sie am Handy vorgenommen haben, am Mautterminal ändern oder stornieren – oder umgekehrt. (mm-logistik.vogel.de/ampnet/sk)

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