Absicherungsfahrzeug auf der Autobahn
18.09.2018 | Stephanie Kunert

Achtung Baustellen! Bitte folgen Sie mir.

Autonom fahrende Absicherungsfahrzeuge sollen künftig in Baustellen auf Autobahnen zum Einsatz kommen. Das sorgt für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Wanderbaustellen sind für Straßenbauarbeiter und Mitarbeiter der Autobahnmeistereien äußerst gefährlich. Bei fließendem Verkehr müssen Müll eingesammelt, der Asphalt gekehrt, Leitplanken repariert oder Mäharbeiten durchgeführt werden – während alle paar Sekunden und nur wenige Armlängen entfernt Autos und Lkw mit hohem Tempo vorbeirasen. In der Regel werden Lkw mit Absperrtafel zur Absicherung eingesetzt, die in einem Abstand von bis zu 100 Metern hinter den Arbeitsfahrzeugen fahren. Doch immer wieder kommt es trotz der großflächigen Warneinrichtungen zu folgenschweren Auffahrunfällen. Fast die Hälfte aller Lkw-Unfälle passieren auf der rechten Fahrspur oder auf dem Standstreifen von Autobahnen. Um die Sicherheit für Straßenarbeiter zu erhöhen und die Anzahl solcher Unfälle zu verringern, wurde das Projekt „aFAS“ ins Leben gerufen.

Erfolgreicher Prototyp

Dahinter steckt ein Konsortium aus Vertretern der Industrie (ZF Friedrichshafen, Wabco, Robert Bosch Automotive Steering und MAN Truck & Bus), Forschung (Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft und Technische Universität Braunschweig – Institut für Regelungstechnik) und Verwaltung (Bundesanstalt für Straßenwesen und Hessen Mobil). Ihr Ziel: ein autonom fahrendes Fahrzeug zur Absicherung von beweglichen Baustellen auf Autobahnen zu entwickeln. Das Bundeswirtschaftsministerium förderte den Prototypen mit rund 3,4 Millionen Euro.

Im Juli 2018 präsentieren die Projektbeteiligten nach vierjähriger Projektlaufzeit nun ihren finalen Prototypen: Das Fahrzeug kann komplett eigenständig und autonom den Arbeitskolonnen auf dem Seitenstreifen folgen.

Vollgestopft mit Hightech

Dazu ist es mit umfangreicher Sensorik und Sicherheitssystemen ausgerüstet. Kamera- und Radarsysteme scannen kontinuierlich die Umgebung ab. Über eine drahtlose Verbindung hält das Absicherungsfahrzeug ständig Kontakt zu den vorausfahrenden Arbeitsfahrzeugen, dem es im Schritttempo folgt. Dadurch kann das Fahrzeug in Echtzeit auf Lenkbewegungen sowie Beschleunigungs- und Bremsvorgänge des Leifahrzeugs reagieren. Meter genau lässt sich der Abstand zum vorderen Fahrzeug einstellen. Die Entfernung bleibt auch in Kurven konstant, während sich das Lenkrad wie von Geisterhand selbst dreht. Wie es nun in Serie gehen kann, prüfen momentan die beteiligten Industrievertreter. Doch bevor das Fahrzeug dann losfahren kann, müssen erst noch das bestehende Straßenverkehrsgesetz, zahlreiche Verordnungen und Normen angepasst werden. Denn bislang ist das Steuern ohne menschlichen Fahrer nicht erlaubt auf deutschen Straßen.

Kommentare (1)

Nis Boysen
22.10.2018 10:44

Warum nicht einfach der Fahrspur des Leitfahrzeugs zeitversetzt folgen?
TC hätte das Know How dazu, entsprechende Lösungen anzubieten, sollte das Ministerium dies wünschen.
Die Sensorik des Absicherungsfahrzeugs könnte man dann nach hinten ausrichten um drohende Auffahrkollisionen zu erkennen und vor diesen zu warnen.